Ayent · Lac de Tseuzier


Der Ausflug ins Wallis war mal definitiv eine unerwartete Aktion. Bei der Suche nach einer Wanderung mit See fiel die Wahl zuerst auf den für seine Schönheit bekannten Seebergsee im Berner Oberland. Aus langeweile scrollte ich bei Google Maps ein wenig aus der Karte heraus, suchte mir willkürlich einen blauen Flecken aus und ergooglete damit den Lac de Tseuzier. Mit den traumhaften Bildern, die die Suchmaschine ausspuckte, hatte ich definitiv nicht gerechnet. Klar, dass diese mal wieder meinen "da muss ich hin" Reflex triggerten.

Und so ist es schnell beschlossene Sache: Ins Wallis soll's gehen, direkt gegenüber der Berner Grenze zwischen Ayent und Crans Montana.


Wellness-Session

Das Wochenende beginnt gemütlich mit einem Abstecher ins Brigerbad. Für 27.- (24.- mit Studentenausweis) darf man 3 Stunden lang die wunderschöne beheizte Aussenanlage, sowie den Spabereich nutzen. Schon die "normalen" Pools verwöhnen einen mit Sprudel und es gibt sogar einen Strömungscircle, durch den man sich treiben lassen kann. Aktuell ist der Einlass für den Spabereich begrenzt. 60 Leute dürfen sich gleichzeitig darin aufhalten und sich in den Badegrotten, den 3 Dampfbädern und 2 Saunen verteilen. Die Anlage bietet wirklich viel für einen kleinen Preis. Definitiv zu empfehlen, wenn man in diese Gegend reist.


Stausee Lac de Tseuzier

Nach dieser Erholung kann der aktive Teil des Wochenendes am Sonntag schon um 8 Uhr beginnen. Das Wetter ist seit Wochen unberechenbar, doch in der Früh verspricht der blaue Himmel noch ein paar regenlose Stunden, bevor es gemäss Wetterbericht am Nachmittag zu Regnen beginnen soll. So fahren wir Richtung Ayent bis ganz hoch zum Stausee. Die Strasse ist sehr schmal und bei Gegenverkehr sind einige Handgesten bis Rückwärtsfahren nötig, um aneinander vorbei zu kommen. Am Ende warten zwei einspurige Tunnel, durch die es wirkt, als würde man an einem abgesonderten Ort wieder herausgespuckt werden.

Alternativ erreicht man den See auch von Sion aus mit dem Postauto. Allerdings scheint dieses gemäss Fahrplan nur 2x täglich zu fahren.

Ab Sion sind es ca. 40 Fahrminuten. Oben hat es genügend Plätze zum parkieren, sowie ein Restaurant. Wir befinden uns sofort am Ende des Sees, wo die Staumauer mächtig in die Tiefe ragt. Der Stausee selbst beinhaltet überraschend wenig Wasser, wodurch die umliegenden Berge und das felsige Geröll noch massiver wirken. Dazwischen schimmert das smaragdblaue Wasser des Lac de Tseuziers.

Läuft man von hier aus erst links am See entlang, wirkt die Wanderung eher wie ein gemütlicher Sonntagsspaziergang. Für die Umrundung benötigt man lediglich eine Stunde. Mit Drohnenflügen und Gipfeli-Stopp natürlich 2,5 Stunden ;). Eigentlich führt an einem Abschnitt eine Hängebrücke übers Ufer des Stausees. Jedoch wird diese wohl gerade saniert oder wurde durch einen der heftigen Stürme, die die letzten Wochen in der Schweiz gewütet haben, zerstört. Allgemein sehen wir unglaublich viele umgefallene Bäume und der Waldabschnitt wirkt sehr aufgewühlt. Am Ende des Sees wartet ein kleines Restaurant. Dahinter führt der Weg weiter über Bächlein und grüne Wiesen. Zahlreiche Wasserfälle entspringen in den Felsen und rinnen am Ende in den See.

Die Wanderung führt auch vorbei an einigen Walliser Suonen. Es handelt sich dabei um historische Wasserleitungen, die im Kanton Wallis als Bewässerungskanäle dienen. Durch die offenen Gräben fliesst das klare Wasser, das man sicherlich trinken könnte.

Nach der Wiesenüberquerung geht es dann tatsächlich wanderiger weiter. Gut dass wir beide unsere nicht wasserdichten Spazierturnschuhe anhaben ^^'. Zwar haben wir Glück und es regnet nicht, doch das Gras ist voller Tau und der nachfolgende Streckenabschnitt sehr matschig. Der Tour du Lac folgend führt uns der gekennzeichnete Wanderweg nun an der anderen Seeseite entlang und zuerst noch mit einem kurzen Abstecher hoch zum Wasserfall. Den Vorhang aus Wasser kann man hier aus der Nähe bestaunen und mit ein paar erfrischenden Spritzern im Gesicht den restlichen Streckenabschnitt der eher hoch und runter geht auf sich nehmen.

Hier hat wohl auch ein Sturm gewütet.

Kurz vor Mittag, genauer um 11:30 beenden wir die Seeumrundung gerade rechtzeitig. Unterhalb der Staumauer türmen sich Wolken auf und ziehen in Nebelschwaden mit sichtbarer Geschwindigkeit über die Steinwand hinweg. Plötzlich ist alles in weiss gehüllt und der See kaum noch erkennbar. Eine mystische Stimmung und doch sind wir froh, früh losgegangen zu sein und diese schöne Wanderung in voller Pracht erlebt zu haben.


Optionales Upgrade: Bisse de Ro

Wer noch nicht genug hat, kann sich noch auf eine abenteuerliche Suonenwanderung begeben. Vom See aus (oder eigentlich ab Crans-Montana) gibt es den/die/das/? Bisse du Ro. Die Suonen habe ich oben schon mal erwähnt. Hier ein kleiner geschichtlicher Exkurs. Die kleinen Kanäle wurden im 14. Jahrhundert gebaut. Damals gab es über 600 im Wallis. Heute sind es noch 200 und nur wenige davon sind zugänglich. Hauptfunktion der Suonen war es, Wasser in die Acker und Weinberge zu leiten. Heute sind sie kaum noch genutzt und eher für touristische Zwecke zugänglich. Eine 18km Wanderung startet in Crans-sur-Sierre (Parkplatz Clébard Palace) und führt direkt zu den Suonen. Ein Fussweg führt entlang der Kanäle, gefühlt hängend an der Felswand. Für einen solchen Cliff Walk ist Schwindelfreiheit sicherlich von Vorteil, doch die Blicke aufs Tal und die Walliser Alpen werden einen entlohnen ;).

Impressionen aus der Google-Bildersuche.