Glarus · Solo-Vanlife am Klöntalersee


3 Tage Klöntalersee / 3 Tage Pasta

Mit dem zweckgemachten Büsli geht es auf den nächsten Roadtrip. Erstmal von Zürich ins gefühlt benachbarte Glarnerland. Denn vom Zürcher Oberland aus ist es nur ein Katzensprung in die Bergwelt des Kanton Glarus. Meine Schwester Denja hat sich spontan angeschlossen. In Netstal treffen wir meine 3 Freundinnen vom PH-Vorkus, zu denen der Kontakt bis heute gehalten hat. Eva wohnt hier und da Sina und Debi einen Besuch in Evas Heimatkanton genau auf heute geplant haben, trifft sich das perfekt mit meinem Roadtripstart in der Ostschweiz. Einmal mehr scheint sich alles einfach so zu ergeben und langsam scheint mein Urvertrauen wieder gestärkter.

Im Radio kommt die Meldung, die Strasse im Klöntal sei eingestürzt. Bei den Stürmen der letzten Wochen keine Überraschung. Ein kurzer Anruf im Camping Vorauen bestätigt: Die Zufahrt ist derzeit nicht mehr möglich. Ein alternativer Schlafplatz muss her. Zwei weitere Anrufe genügen und wir haben einen Stellplatz für die Spontanübernachtung von Samstag auf Sonntag. Trotz Ferienbeginn, trotz schönem Wetter, trotz Campingboom. Es geht eben doch =). Aber erstmal geht es zu fünft im kleineren Auto hoch ins Klöntal. Der Versuch glückt, denn lediglich die Strasse, die vom Seebeginn zum Seeende führt, hat einen Schaden. Das Büsli kann gratis am Bahnhof parkieren und so spare ich mir vorerst die Fahrt hoch entlang der schmalen Strasse.

Schliesslich erreichen wir den Klöntalersee, wo uns die Verkehrslotsen sogar noch einen freien Parkplatz zuweisen. Der See und das umliegende Wandergebiet haben in den letzten Jahren zunehmend an Popularität gewonnen. Für die Einheimischen Glarner, wie unsere Eva, ist es DER Badeort an warmen Tagen. Über die vielen "kantonsausländischen" Nummernschilder auf der grossen Parkfläche vor dem Campingplatz regt sie sich nicht unberechtigterweise auf. Doch so überlaufen die Gegend auf den ersten Blick scheinen mag, die Touristen verteilen sich gut um und auf dem Wasser, sowie hoch in die Berge.

Es sei jedoch anzumerken, dass das Parking unbedingt genau bezahlt werden soll! Denn wir wurden auf die Minute pünktlich weggeschickt, sonst hätten wir gleich eine Busse erhalten.

Anstelle einer Wanderung machen wir es uns am See bei einem Picknick gemütlich. Die 3 Zürcherinnen in unserer Truppe (mich jetzt ausgeschlossen :P) in ihren weissen Sneakers haben wohl auch eher mit einem Spaziergang gerechnet. Und da ich mir diese Woche ein Flugticket mit einem Schulhaus-Putz Nebenjob finanziert habe, sind auch meine müden Beine froh über den ruhigen Tag am See.

"FRAUEN!" – Typ auf vorbeifahrendem Motorboot

Wir haben uns einiges zu erzählen und Gesprächsstoff seit letztem Dezember nachzuholen. Bei solchen Treffen bin ich immer wieder baff, wieviel in eigentlich wenigen Monaten im Leben passieren kann. Natürlich kommen auch die klassischen Fragen nach den Zukunftsplänen. Das macht man halt so, denn die Frage scheint sehr verankert in unserer Gesellschaft. Besonders in unserem typisch schweizerischen Sicherheitsdenken. Da tanze ich mit meiner derzeitigen "Obdachlosigkeit" leicht aus der Reihe.

Wieso eigentlich immer so auf die Zukunft fokussiert sein, die sowieso nicht absehbar ist? Wieso ist es nicht einfach gut, wo man gerade steckt? Diese Zukunftsfrage löst in letzter Zeit viel in mir aus. Denn wenn ich so darüber nachdenke, befinde ich mich gerade genau da, wo ich sein möchte und gefühlt hingehöre. Mein grosser Traum vom Van-Eigenausbau ist wahr geworden und der Traum mit jeder Reise, die ich damit mache, endlich fassbar. Weshalb also über den nächsten Schlüssel am Bund nachdenken, der sich in ein paar Monaten sowieso finden lässt, wenn im Jetzt doch alles so richtig ist =).

Geflasht vom traumhaften Klöntalersee verfolge ich meine nach dem Bauchgefühl-Leben Einstellung weiter und beschliesse, eine Solo Vannacht anzuhängen. Vanlife alleine. Etwas, von dem ich bis vor kurzem noch gesagt habe, dass ich es mir nicht vorstellen könnte. Doch die Gegend hier hat es mir angetan und plötzlich gefällt mir die Vorstellung, sie noch etwas länger und allein mit meinem Büsli zu geniessen.

Wenn der Schuh drückt, geh Barfuss weiter.

Sistertrip am Walensee

Aber erstmal teile ich mein Bett mit meiner lieben Schwester. So gut wir uns auch verstehen, ist es doch immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich Geschwister sein können. Umso mehr freut es mich, dass sie ihre erste Campingerfahrung mit mir machen möchte und ich ihr damit einen wichtigen Teil aus meinem Leben zeigen kann. Was wir teilen, ist die fast schon übertriebene Begeisterung für Katzen :P. Und wohl dieselben komischen Geräusche, da wir genau gleich reagieren, als die freundliche Frau beim Check-in ihre Campingplatz-Katze erwähnt. Da das Camping Vorauen unpassierbar war und der Platz Güntlenau bereits ausgebucht, haben wir unser Glück beim dritten Campingplatz im Bunde versucht. Der Campingplatz Gäsi liegt unweit vom Klöntal direkt am Anfang des Walensees. Die Frau am Telefon war so nett und hat uns einen Schlafplatz sichergestellt, auch wenn er auf dem Parkplatz sein sollte. Denn auch dieser Campingplatz ist nicht vom Unwetter verschont geblieben und wurde wegen Hochwassers überschwemmt. Entsprechend matschig sind nun gewisse Bereiche auf dem Naturcamping direkt am Seeufer. Wir erhalten doch noch einen kleinen Stellplatz nahe der Waschräume, müssen aber auch hier aufpassen, nicht auf dem feuchten Untergrund auszurutschen. Den Rest des Abends verbringen wir in gemütlicher Campingmanier bei Pasta mit Pesto, anschliessenden Dessertfrüchten am See bis uns die Mücken vertreiben, und schliesslich bei Brettspielen eingekuschelt im Van, bis es so stark zu Regnen beginnt, dass ich befürchte, am nächsten Tag im Schlamm stecken zu bleiben.

Irgendwann schlafen wir doch noch ein, auch wenn das Prasseln der Regentropfen mit dem Donnern um die Wette klingt.

Amüsiert beobachtet mich meine Schwester beim herumwuseln im Büsli. Die Einrichtung hat sich ja bereits in Korsika bewährt und so zaubere ich uns routiniert den morgendlichen Kaffee hin, Milchschaum inklusive. "Du bist ja völlig in deinem Element" meint Denja und bringt mich damit zum Strahlen. Schon krass, wie man eine ganz eigene Emotionale Bindung zu einem Fahrzeug entwickeln kann, da es einem ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Für mich vor allem die Freiheit und Flexibilität. Erst kürzlich habe ich über einen Namen nachgedacht. Irgendwie scheinen das in der Vanlife-Szene alle so zu machen. Aber ein Auto bei einem ausgedachten Namen zu nennen... naja. Da stelle ich den T5 dann doch lieber nach wie vor als "mein Baby" vor :P. Offiziell nun wirklich meins - der Vertrag ist unterschrieben, jippie! =D


Solo Vanlife

Der bekannte Klang des Postautos ertönt und hallt laut durchs Tal. Vor mir ein nicht mehr so frisches Buttergipfeli und ein überzuckerter Latte Macchiato (selbstverschuldet). Auf meinem Gesicht ein dämliches Grinsen, das auch bleibt, als die nette Bedienung im Restaurant davonläuft. Seit langem sitze ich mal wieder alleine in einem Restaurant. Beginn eines Mini-Solotrips, wenn auch in der vertrauten Schweiz, aber zum ersten Mal im Büsli.

Vor einer Stunde habe ich Denja am Bahnhof abgesetzt und bin anschliessend die schmale Strasse zum Klöntalersee hochgefahren. Ich hatte Glück und das Postauto kam gerade unten an, als ich hochfahren wollte. Bei der Strecke würde ich schon empfehlen, den Fahrplan vorher abzuchecken, um ein Ausweichen vor dem grossen Gefährt zu umgehen oder im Windschatten gleich mitfahren zu können.

Da mein Stellplatz auf dem Camping Güntlenau erst um 12 Uhr frei wird, schmeisse ich mich kurzerhand in meine Wanderschuhe und beschliesse, zum Aussichtspunkt Schwammhöhe zu laufen. Der Aufstieg dauert nur 1 Stunde und schlängelt sich in humaner Steigung durch den Wald. Oben erwartet einen ein Restaurant, das am heutigen Sonntag jedoch voll besetzt ist, da auch eine Strasse hoch führt.

Doch für die Aussicht lohnt's sich definitiv! Der See von oben, erneut absolut atemberaubend. Ja der Klöntalersee zählt für mich definitiv zu den schönsten Seen der Schweiz!


Nach dem Check-in mache ich mich noch etwas an die Arbeit hinterm Laptop. Ein Hauch digitales Nomadentum aber irgendwie weiss ich nie so recht, ob das was für mich wäre. Zwar mangelt es mir nicht an Selbstdisziplin aber hier neben der schönen Natur habe ich das Gefühl, etwas zu verpassen. Was eigentlich völlig ironisch ist, denn näher könnte ich der anschliessenden Freizeit nicht sein. Verpassen würde man es ja mehr mit einem klassischen Tag im Büro. Schliesslich ist es der leere Akku, der mich zum Geniessen der letzten Sonnenstunden zwingt und da der Sommer zumindest noch einen Tag anhalten soll, verlängere ich meinen Aufenthalt spontan um eine weitere Nacht.


Ein Stück Paradies

"Dir geht es schon gut, wenn du einfach nur unterwegs bist." Meine Cousine hat damit meine aktuelle Stimmung perfekt zusammengefasst. Wie gut, dass sie in wenigen Tagen dazustossen wird und wir diese Laune teilen können. Ich kann es kaum abwarten, denn seit unserem Städtetrip nach Prag im 2019 wurde unsere Tradition einer jährlichen Reise coronabedingt unterbrochen. Höchste Zeit also, dass wir wieder gemeinsam in die Welt ziehen. Noch besser in Form eines Roadtrips, wo wir sowieso ein eingespieltes Team sind.


Aber erstmal zieht es mich noch alleine hinaus. Heute mal auf den See. Für 20.- pro Stunde kann man beim Campingplatz ein SUP mieten und damit übers Wasser gleiten. Meine untrainierten Arme bringen mich zwar nicht zum Wasserfall, den ich bereits mit der Drohne erkundschaftet habe, jedoch zu einem anderen, der in einer V-förmigen Ausbuchtung zweier Berggipfel liegt. Darunter der kitschig grüne Wald und dahinter die mächtigen Glarneralpen. Ein Panorama, das sprachlos werden lässt. Etwas weiter liegt eine Art Bucht vor mir. Das Wasser scheint hier viel ruhiger und der See gleich in diesem Abschnitt einer blauen Lagune. Das mystische Türkis wird nur durch ein paar darin schwimmende Äste und Holzstücke unterbrochen. Obwohl ich Stand-up-paddeln bisher eher als langweilig belächelt habe, bin ich heute auf den Geschmack gekommen.

Vorerst scheint dies der letzte Sommertag gewesen zu sein. Nach dem letzten Mal aufgewärmte Pasta, verdunkelt sich der Himmel bereits und die ganze Nacht regnet es in Strömen. So nimmt mir die Wettervorhersage den Reiseunterbruch ab und Ramona und ich beschliessen, auf dem Rückweg vom Südtirol noch einen Abstecher zu zweit ins Glarnerland zu machen. Nachträglicher Spoiler: Nach unserer Südtirol Rückkehr kehrten erneute Stürme ein und es wurde leider nochmals nichts mit dem Glarusausflug zu zweit.

Eine traumhafte Wanderung inklusive See habe ich jedoch noch in Planung... dann halt mal für ein Wochenendausflug, wenn das Wetter etwas freundlicher wird.


Erstmal zieht es uns also noch weiter in den Osten: Südtirol, wir kommen!