Korsika · Die Karibik Europas


Im Prinzip können wir in 12 Stunden auf einer Insel sein. In nur 5 Stunden am Meer. Gedanken, die mir die letzten Wochen öfters durch den Kopf schwirrten. Einfach einsteigen, sitzen bleiben und losfahren. Wie schlimm wären schon die Konsequenzen? Höchstens unangenehm, aber untergehen würde die Welt davon nicht.

Doch schon länger weiss ich, dass sich ein Kapitel in meinem Leben schliessen wird. Mein WG-Zimmer hat schon eine Nachmieterin, meine Nebenjobs sind gekündigt. 3 Monate Semesterferien stehen an - ohne Wohnung, ohne Job und abgesehen vom fortführen des Studiums eigentlich auch ohne Zukunftsplan. Denn Pläne kommen sowieso immer anders als erwartet. Also höre ich auf meinen inneren Schrei nach Freiheit und lasse einfach mal alles auf mich zukommen.

Mein Bauchgefühl sagt Korsika. Inseln haben es mir schon immer besonders angetan und mit dem frisch umgebauten Van soll es auf 4 Rädern auf die wohl naheliegendste Insel gehen.


Abenteuer: Anreise

Fabienne und Viki teilen das Abhau-Bedürfnis. Leider legt uns das Schicksal gesundheitliche Hürden in den Weg. Fabienne brach sich bei einem unglücklichen Skate-Unfall das Bein und ist derzeit auf Krüken unterwegs. Vikis Kopf drückt auf Pause und zwingt sie seit 5 Wochen mit lichtüberempfindlichen Augen zur Ruhe in den abgedunkelten vier Wänden. So machen sich Fabienne und ich im Zweigespann am Donnerstagabend direkt nach Feierabend auf die Reise.


Im La Péniche am Bielersee kriegen wir einen Vorgeschmack auf die nächste Woche. Das französische Flair der Westschweiz macht Vorfreude auf die Reise und um die leckere Stärkung werden wir die nächsten Stunden noch froh sein. Es geht nämlich in 5 1/2 Fahrstunden in die Hafenstadt Genua, von wo aus die Fähren nach Korsika ablegen.


Je später es wird, desto angenehmer wird der Verkehr. Meine anfänglichen Sorgen, in der Nacht zu fahren, legen sich langsam, trotz der aufgrund zahlreicher Pausen immer später werdenden Ankunftszeit, die uns das Navi anzeigt.

Auch die Sorgen um den Grenzübergang waren unbegründet. Wir regen uns schon jetzt ab uns selber auf. Wie wird man diese Eigenschaft los, sich um Dinge zu sorgen, die man meist eh nicht beeinflussen kann und die schlussendlich sowieso gut verlaufen? Womit wir nicht gerechnet haben, ist die Verkehrsumleitung Richtung Mailand. Gleich dreimal überqueren wir deswegen die Grenzen, verpassen wohl immer wieder das eine Umleitungsschild, welches nicht auffällig genug gekennzeichnet ist. Wir fühlen uns zu dieser späten Stunde wie in einem Horrorfilm gefangen, bei dem man immer und immer wieder dasselbe durchlebt und nicht aus der Spirale herauskommt. Das Wort "Baustelle" wird ab nun zu unserem Albtraumwort, denn kurz darauf führt uns die Umleitung erneut an der Nase rum, weswegen wir schliesslich erst gegen 3 Uhr morgens, statt wie erwartet um etwa 1 Uhr in Genua eintreffen. Völlig übermüdet und eingeschüchtert von der gruselig wirkenden Grossstadt finden wir schliesslich doch noch einen Parkplatz unweit einer Nachtbaustelle, wo uns die noch arbeitenden Bauarbeiter etwas beruhigend erscheinen. Ohne auszusteigen klettern wir in den Schlafbereich hinten. Mit einem Schluck Limoncello, erhoffen wir uns zumindest ein bisschen Erholung von den nur 3 Stunden Schlaf, die uns von der Weiterfahrt an den Hafen noch bleiben.

Mit tiefen Augenringen und natürlich übervollen Blasen suchen wir am nächsten Tag schon vor 7 Uhr ein Café auf. Das Schicksal scheint auf unserer Seite zu sein. Wir finden eines, sogar mit übergrossem freien Parkplatz, dem meine ermüdeten Einparkierskills mit ungewohnter Busgrösse danken, tollem Kaffee, einer Toilette und sogar noch einem nebenan liegendem Bankautomaten, weil wir erst beim Bezahlen bemerken, dass wir natürlich kein Bargeld dabei haben. Und sogar das WiFi klärt die noch offene Frage, wo unsere Fähre überhaupt fährt. Wir können unser Glück kaum fassen, wie glimpflich mal wieder alles verläuft. Manchmal sind wir schon etwas naiv aber genau solche Strapazen machen die Reise doch zu dem Abenteuer, das wir erleben möchten. 1 Night in Genua - unvergesslich aber ohne Wiederholungsbedarf :P. Und wieso noch gleich machen wir uns jedes Mal zu viele Gedanken und Sorgen? Eigentlich klappt doch immer alles. So natürlich auch der Weg zur Fähre, wofür wir super seriös alle nötigen Dokumente ausgedruckt haben und zusammen mit dem negativen Covid PCR-Testergebnis ohne Probleme auf die Fähre fahren dürfen.

Geschafft! Korsika, wir kommen.

Das Programm auf der Fähre: Nap, nap und nochmals nap auf dem Sonnendeck, den Resten Limoncello bereits vor 9 Uhr intus haben und im Hintergrund italienischer Herzschmerz Musik lauschen.

Sehr überraschend erholt fahren wir nach der 5-stündigen Überfahrt aus dem riesigen Schiff hinaus und atmen erstmals den Duft der Insel ein. Frankreich, so scheint mir, hat irgendwie einen ganz besonderen eigenen Geruch. Gerne würde ich an dieser Stelle mit botanischem Wissen angeben, aber ich habe keine Ahnung, welche Pflanzen ihren Duft seit meiner Reise an die Westküste in meinen Kopf gepflanzt haben und mich auch auf dieser Insel wieder in ihren Bann ziehen.


Zu unserem ersten Stopp ist es nicht weit, denn doch mehr Fahrstunden verkrafte ich heute nicht. Im Camping Europa Beach empfängt uns eine fürsorgliche Schweizerin in vertrauter Sprache und wir suchen uns einen Stellplatz mit Meerblick. Der Campinglatz scheint wie ein verlassener Freizeitpark aus einem US-amerikanischen Film. Überall stehen verlassen scheinende Wohnmobile und mit Staub überzogene Autos. Was gruselig klingt, versprüht jedoch einen ganz eigenen Charme. Der Campingplatz strahlt eine Ruhe aus, in der wir sofort ankommen.

Nach einem weiteren Nap am Strand, geniessen wir unseren zweiten Campari-O und spazieren entlang am von Gänseblümchen übersäumten Strand zur Pizzeria Via Luna, wo wir eine der besten Pizzen essen, die wir je gegessen haben! Von dem Teig werden wir noch träumen.


Plage et Apéro

Herrlich ausgeschlafen wachen wir zum Meeresrauschen auf. So soll es die nächsten Tage weitergehen. Den Tag direkt an der frischen Luft starten und erstmal das Bialetti aufsetzen, bis der Kaffeeduft die noch etwas kleinen Äuglein aufleuchten lässt.

Wir fahren entlang der Küste Richtung Süden. Die wohl als Autobahn geltende Hauptstrasse darf man mit 110 km/h befahren. Sie gleicht jedoch mehr einer 80 km/h Überlandstrasse und so nehmen wir die Fahrt gemütlich. Kurz nach einer Kurve sticht uns dabei eine Bucht ins Auge. Wie eine blaue Lagune liegt der Plage de Fautea vor uns. Ein kurzer Schwenk auf die Parkplatzfläche ermöglicht uns ein Mittagessen mit Meerblick.







Ziel des heutigen Tages ist der Campingplatz Golfo di Sogno. Die Plätze für die Nacht suchen wir uns jeweils mit der heruntergeladenen Google Offline-Karte heraus und eigentlich nur nach dem Faktor: Lage so nahe wie möglich am Meer.

Der heutige Stellplatz ist sogar ein halber Sandplatz und wieder dürfen wir uns über Meerblick freuen. Die Bucht gegenüber der Hafenstadt Porto Vecchio gleicht schon beinahe einem See, so ruhig ist es hier.

Aperol Spritz mit Überraschung von 2 Baby Dogos <3

Am Abend weihen wir die geniale Kochtisch-Konstruktion ein und kochen ein super leckeres Ratatouille mit Gemüse von der Insel und frischem Dill und Basilikum - einfach nur köstlich!


Wo Camping und Luxus aufeinander treffen

Das tolle an Roadtrips ist ja, dass man meist eine ungefähre Routenvorstellung hat, einige Tipps oder Spots vorab heraussucht, sich schlussendlich jedoch doch einfach treiben lassen kann. Meist verschlägt es einen dann an viel tollere Spots, die so ganz ohne Erwartungen alles übertreffen.

Heute fahren wir an den Plage de Tamaricciu. Ein Sandstrand mit Felsformationen die an die Seychellen erinnern. Das versprechen die Bilder, die uns hierhin locken. Doch bereits die Anfahrt ist etwas ernüchternd. Die grossen Parkplätze gehören den Luxusrestaurants. Um an den Strand zu kommen, muss man vorbei an schicken Boutiquen und durch eines der Restaurants hindurch. Schweizerisch korrekt wie wir sind, trinken wir also erstmal etwas bevor wir über die orangenen Felsen kraxeln und uns im glasklaren Wasser abkühlen. So schön der Strand auch ist, gross Sympathiepunkte konnte er bei uns leider nicht sammeln.

So lassen wir auch den nächsten Halt beim Plage de Santa-Giulia weg, der bereits so präsent ausgeschildert wird, dass wir noch mehr Luxusresorts entlang des Strandes erwarten und fahren zu einem spontan ergoogleten Strand: Rondinara.

Schon der Name klingt melodischer. Ein kurzer Weg vorbei an einem niedlichen Restaurant mit Palmwedel-Sonnenschirmen führt zum Strand, der trotz Gewitterwolken wunderschön aussieht. Wie muss das hier erst sein, wenn die Sonne scheint? Insgeheim erhoffe ich mir einen erneuten Besuch hierhin.

Gerade als wir unser Strandpicknick verspeist haben, beginnt es zu tropfen. Der Regen zwingt uns ruckzuck zurück in unsere 4-Wände auf Rädern. Die zahlreichen Schlaglöcher auf dem Weg zurück zur Hauptstrasse füllen sich im nu mit Wasser. Nach dieser minimen Offroadsession schlängeln wir uns die schmale Strasse hoch zu den Klippen von Bonifacio. Wie oft in den wenigen Tagen, die wir nun auf der Insel sind, war ich nun schon froh über das kleine Büslimodell, den obwohl die Insel sehr auf Camper ausgelegt ist, scheinen mir einige Strecken eher Camperuntauglich, ja sind sogar mit Camper-verbotsschildern bestückt.

Der T5 geht locker als "normales" Auto durch und so parkieren wir am höchsten Punkt von Bonifacio und können die Klippen bequem auch mit Krüken erkunden.

Unbedingt Bargeld dabei haben für das Le P'tit Café.

Es gibt sie wirklich, diese Orte, die so hübsch sind, dass ihnen auch noch so schlechtes Wetter nicht den Glanz klaut. Bonifacio gefällt uns auf Anhieb und hier könnten wir es uns länger vorstellen. Die zahlreichen Katamarane, Segel- und Motorboote wecken die Wasserratten in uns und ein Bootstrip steht definitiv auf der ToDo-Liste für die nächste Reise nach Korsika.

In der Bar La Place ist lediglich eine schlafende Katze süsser als meine Nutella-Crêpe und da uns die kleine aber feine Speisekarte überzeugt, reservieren wir sogleich fürs Abendessen.

Auch auf unserem Campingplatz L'Araguina entzückt mich ein weiterer meiner vierbeiniger Lieblinge.

Noch besser: Das Auto darf stehen bleiben und wir erreichen die Stadt bequem in nur 5 Minuten zu Fuss, weswegen sich auch mein Magen über einen Erdbeermojito freuen darf.

Der Wettkampf der Pizzen =P diese schaffen es auf Platz 2.

Babe reunion: Trio completed

Die letzten Tage haben wir die Handypause sehr genossen. Einfach mal abschalten tut definitiv gut, besonders jetzt, da wir mit Online-Uni und gefühlter Dauererreichbarkeit mehr den je vor dem Bildschirm verbracht haben. Darauf lässt sich wohl auch Vikis Augenaussetzer zurückschliessen. Komplettausfall in unserer Leistungsgesellschaft. Die letzten Tage hat sich ihr Zustand rasant gebessert und so sind wir immer wieder mit ihr Kontakt und sie reist mit dem Flugzeug nach.

Um ihr die Anreise möglichst einfach zu machen, fahren wir von Bonifacio aus ca. 2 Stunden in die grösste Stadt im Westen der Insel, Ajaccio (Aschagson ausgesprochen). Die Strecke ist wunderbar. Breit schlängelt sie sich durch niedliche Dörfer, vorbei an türkisblauen Buchten und hoch in die kitschig grünen Gebirge Korsikas. Hier wird uns bewusst, wieviel die Insel zu bieten hat und was es wohl im Landesinneren noch zu entdecken gäbe - für einen nächsten Trip, ohne Handicaps =). Der Westen ist definitiv rauer als die Ostküste. Die Strände wenig bis gar nicht zugänglich und felsiger. Das hat man uns bereits im voraus gesagt und deshalb holen wir heute die Dritte im Bunde eigentlich nur kurz ab und machen uns anschliessend auf den Rückweg in den Süden, wo wir die nächsten Tage langsam gegen Norden zurückreisen möchten.

Apéro-Stopp wie immer irgendwo am Strassenrand mit Meersicht.

Bei der Rückfahrt komme ich an die Grenzen meiner bisher unermüdend scheinenden Fahrfreude. Es ist halt doch ein halber Fahrtag geworden und als sich dann der naheliegendste Campingplatz in Meernähe als eher abseits liegender überdschungelter Spot herausstellt, nehmen wir die weitere halbe Stunde noch in Kauf und übernachten dafür auf dem Campingplatz an meinem Traumstrand Rondinara.

Mein Wunsch wurde erhört und so sehe ich diese Traumkulisse, die wie ein Bild von einer Karibikpostkarte scheint, noch bei sonnigstem Wetter.

Auf dem Campingplatz trotzen wir dem Wind und schaffen es trotzdem irgendwie, Fajitas auf den zwei Herdplatten zuzubereiten. Zu späterer Stunde, als wir uns zu dritt in den Van gekuschelt haben und unter dem Schein meiner zahlreichen Lichterketten eine Runde Brandy Dog spielen, treffen 3 Frauen in unserem Alter auf dem Campingplatz ein. Sie lösen das Tetris-Packsystem aus ihrem Mini und bauen zwei Wurfzelte auf, sind permanent etwas am suchen und scheinen sehr improvisiert zu reisen. Die drei sehen aus wie ein Abbild unserer selbst von vor einem Jahr. Hauptsache ein Auto und irgendwie eine Schlafmöglichkeit. Der ausgebaute T5 scheint gerade wie das grösste Luxusupgrade und bereitet uns sofort noch mehr Freude.


Rainy day

Frühmorgens lockt uns der helle Sonnenschein nochmals an den Strand hinunter, was war auch anderes zu erwarten =P. Schon um 10 Uhr brutzeln wir mit einem kühlen Drink in der einen und einem Croissant in der anderen Hand im anliegenden Restaurant. Ein Morgenschwumm darf natürlich auch nicht fehlen und wer jetzt noch nicht wach ist, wird definitiv durch das eiskalte Wasser geweckt.

Aufziehende graue Wolken verheissen nichts gutes. Mit dem Beachhopping wird das wohl nichts und als die ersten Tropfen fallen entscheiden wir uns für ein Alternativprogramm und fahren zu einer Tiki Bar, die wir vor wenigen Tagen bereits auf der Offline-Karte entdeckt haben.

Durch die Pfützen watscheln wir immernoch durchnässt von der morgendlichen Badesession nur mit Hemdchen und Strandtuch bekleidet in die Bar. Wir ignorieren die vielen Blicke und sind uns bewusst, dass wir etwas auffallend sind, denn die Bar ist eher im Schickimicki Stil und offensichtlich oberen Preissegment. Trotzdem gönnen wir uns ein Mittagessen und erhoffen uns einen Nachlass des Regens.

Auch der Strand hier kann wiedermal mit jeder noch so kitschigen Postkarte mithalten. Das sieht man bereits trotz grauem Himmel und erst recht, als sich die Wolken verziehen.

Weiter geht es in die Hafenstadt Porto Vecchio, wo wir den Nachmittag leider mit Wlan-Suche und Bürokratie-Krimskrams verbringen. Denn eine SMS teilt uns mit: Die Nachtfähre wurde storniert. Einfach so. Dem Italienischen Band auf der Telefonnummer entnehmen wir eine Wartezeit von ca. 1 Stunde! Also mailen wir der Fährengesellschaft, uns eine Alternativverbindung durchzugeben, buchen sogleich das Ticket für Viki mit und sind etwas ernüchtert, dass wir einen Tag verlieren werden, da keine einzige Nachtfähre mehr von Donnerstag auf Freitag zurück aufs italienische Festland fährt.

Vielleicht soll es so sein. Da mein Vater am Samstag gleich weiterfährt - lustigerweise auch nach Frankreich, jedoch in die Vogesen mit einer Töffcrew, war sowieso abgemacht, ihm das Büsli am Freitag leer und geputzt zurückzubringen. Da mir so nach einer wohl eher wenig erholsamen Nacht ohne Schlafkabine wieder eine 5- bis 6-stündige Fahrt allein hinterm Steuer bevorgestanden hätte, wird die Heimreise sicherlich entspannter durch den verlorenen Tag auf der Insel. Klar ist sowieso: Ich werde zurückkehren! Mit etwas mehr Zeit im Gepäck =D.


Es hat sich ergeben, dass unsere Reise quasi rückwärts in den Norden stattfindet. Da uns der Platz beim Camping di Sogno so sehr gefallen hat, zieht es uns auch heute wieder in die Bucht 10 Fahrminuten von Porto Vecchio entfernt. Der doch noch sonnig werdende Abend erfüllt unseren Wunsch eines Naps am Strand. Nach einem ego-Strandspaziergang, von dem ich einen neuen Vorrat an Muscheln für die Deko im Büsli zurückbringe, machen wir uns frisch fürs Abendessen in der Stadt.

Es zieht uns zum Italiener Chez Anna, wo sie glutenfreie Pasta anbieten und auch Viki auf ihre kulinarischen Kosten kommt. Die Hafenstadt, die uns am Nachmittag noch so gar nicht gefallen hat, sehen wir nun von einer anderen Seite. Hier oben auf dem Hügel scheint sich das Stadtzentrum zu befinden. Hübsche Altstadthäuser umrahmen einen Platz mit einem Karussel und gefüllten Terrassen unterschiedlicher Bars. Hier findet das Leben statt und erst können wir uns gar nicht vorstellen, dass alles um 9 Uhr schliessen wird. Doch so ist es tatsächlich und nach unserem überaus leckeren Abendessen müssen auch wir das Lokal pünktlich verlassen. Die Gastronomiemitarbeitenden haben mein Beileid. Mit den eingeschränkten Öffnungszeiten, so scheint mir, spitzen sich die Rush-hours noch mehr zu, das Essen kommt schneller denn je, die Angestellten wirken gestresst. Die Branche hat es definitiv schlimm erwischt in der ganzen Krise und ich schwanke oft zwischen Mitleid und eigener Erleichterung, nicht mehr darin tätig zu sein.


Reise einmal zurückspulen, bitte

Wie erwähnt, scheint es, als würden wir die Hinreise einmal rückwärts spulen. Die wunderschönen unerwarteten Plätze sind uns so gut in Erinnerung geblieben, dass wir ihnen nun im Dreierpack auf der Rückreise in den Norden erneut einen Besuch abstatten.

Dazu gehört ein erneuter Halt bei der traumhaften Bucht Fautea, wo unser aller Bräune einen Touch rot abkriegt und mein Schnorchelequipment zum ersten mal in den Einsatz kommt. Links von der Bucht befinden sich nämlich zahlreiche Felsen im Wasser und die Sicht unter der Wasseroberfläche überrascht mit einer Wiese aus Seegras und zahlreichen Fischen, die ihre Bahnen um die überwachsenen Steine ziehen.

Krönender Abschluss ist eine erneute Nacht beim Camping Europa Beach. Der ältere Herr, der bei unserer ersten Nacht hier noch meinte, viele kehren zurück, wenn auch nur für die letzte Nacht vor der Rückreise mit der Fähre, scheint es prophezeit zu haben. Auch uns lockt der ruhige Platz 30 Fahrminuten vor Bastia zurück und wir können am letzten Abend doch noch etwas entspannen, obschon unsere Gedanken um die Heimreise kreisen.

Brauchen wir doch wieder einen PCR-Test? Was ist das für ein Formular, das wir vorweisen müssen? Haben wir für Viki die richtige Fähre gebucht? Warum steht auf ihrem Ticket dann eine Stunde früher? Mag ich die Rückfahrt ganz alleine bewerkstelligen? Ist mit dem Auto alles ok, es piepst seit einigen Tagen? Bin ich wirklich bereit, am Sonntag nach Valencia zu fliegen? ...


Heimreise

Der leuchtende Feuerball am Himmel vertreibt die leicht morgenmuffelige Stimmung. Übermüdet erreichen wir den Hafen um halb 7 Uhr in der Früh, immer noch angespannt, ob die Heimreise problemlos klappen wird. Wer ahnt es schon? Unsere Sorgen waren mal wieder völlig unbegründet! Das Formular wird uns beim Schlangestehen durchs Fenster gereicht und später wieder eingezogen, nicht mal eines Blickes gewürdigt. Der Stapel landet bestimmt im nächsten Altpapier-Container.

Amüsiert stellen wir fest, dass es sich bei dieser Fährengesellschaft um eine italienische handelt. Das Klischée bestätigt sich anhand des Chaos, wie die Fahrzeuge ins Innere der Fähre gelotst und einparkiert werden. Amüsiert begeben wir uns aufs Sonnendeck, wo unser Schlaf-nachholen jedoch während der ganzen Fahrt von einem lautstark telefonierenden Italiener aufgehalten wird, der all seine Businesscalls während der Überfahrt zu erledigen scheint. Da helfen auch die bösen Blicke über den Sonnenbrillenrand hinweg nichts.

Was nicht bequem ist, wird bequem gemacht.

Statt über Genua erreichen wir das Festland in Livorno. Die Stadt liegt unweit von Pisa entfernt und es reizt mich schon, so Nahe am schiefen Turm noch ein typisches Tourifoto zu knipsen. Die bevorstehenden Stunden der Heimfahrt nehmen uns die Entscheidung jedoch ab und so fahren wir auf schnellstem Weg zurück in die Schweiz, nach Lugano und ab dort für mich alleine weiter ins Zürcher Oberland. Auch der penetrante Piepston des Büslis hat sich auf der Heimfahrt nach einem kurzen Telefonat mit meinem Vater geklärt: Das wackelige Auxkabel meldet sich, wenn es nicht mehr korrekt eingesteckt ist. Wieso das bei steigender Geschwindigkeit und Gangwechseln lauter wird, bleibt ungeklärt. Vielleicht eine Lektion für mich, die unnötigen Sorgen einfach mal abzuschalten :P. Das Training zwinge ich mir in Form vieler weiterer Reisen auf. Denn wie könnte man die besser loswerden, als indem man sich immer wieder in neue Abenteuer stürzt, aus seiner Komfortzone herausbricht und dabei feststellt, dass doch immer alles gut kommt. So treffe ich nicht nur mit neuem Sticker auf dem Büsli zurück in der Heimat ein, sondern auch mit einer riesigen Vorfreude auf alles, was noch kommen mag und dem Vorsatz, einen Hauch unseres jugendlichen Leichtsinns, noch lange für weitere Reisen beizubehalten.


SIGHTSEEING-MAP

Eine Sammlung meiner besuchten (türkis) und noch zu besuchenden (grau) Orte.

Bin offen für Tipps für die nächste Reise auf diese paradiesische Insel =).