La Réunion · Die Vulkaninsel


La Réunion liegt tausende Kilometer von Europa entfernt, näher zu Afrika und Madagaskar und gehört trotzdem zu Europa und Frankreich. Von der Insel im Indischen Ozean hört man kaum was. Auch ich hatte sie bis vor zwei Jahren noch nicht auf dem Schirm. Kurz vor Pandemiebeginn im 2019 planten Viktoria und ich für die Semesterferien eine Reise nach Mauritius und Madagaskar. Bei unserer Recherche klickten wir auf den Landfleck, der zwischen den beiden Inseln liegt und stiessen dabei zum ersten mal auf die traumhaften Landschaftsbilder Réunions. Viki nannte das Fleckchen Erde damals „Dinoinsel“. Tatsächlich erinnert die Insel an ein Land vor unserer Zeit. Üppige grüne Landschaften in erloschenen Vulkankratern, von deren Hügel hunderte von Wasserfälle herabfallen. Riesige Pflanzen in nebligen Dschungelwäldern und ein noch aktiver Vulkan, der jährlich mehrmals Feuer spuckt. Genug, um mich als Insel- und Vulkanfan die Buchungstaste drücken zu lassen und die Insel im Oktober 2022 für 12 Tage zu bereisen.


Inselparadies und Bade-Albtraum zugleich?

Mit Inseln verbindet man sofort weisse Sandstrände und türkises Wasser. Wer sich das wünscht, für den ist Mauritius die geeignetere Reisewahl. Réunion besitzt nicht nur grösstenteils schroffe Küsten mit mächtigem Wellengang; hier fühlen sich auch Haie besonders wohl. Der indische Ozean vor der Insel gilt als „Haiverseucht“ und statistisch betrachtet passieren hier jährlich die meisten Haiangriffe, von denen nicht wenige tödlich enden. Die Regierung hat deshalb die Lagune kreiert. Ein 22km langer Bereich im Nordwesten der Insel, dessen Riff durch Hainetze eingezäunt ist.

Réunion hat aber viel mehr zu bieten und es wäre schade, nur am Strand zu versäumen. Für uns schien eine Kombireise von Mauritius und La Réunion ideal, wobei auf der Vulkaninsel Wanderaktivitäten auf dem Tagesprogramm stehen sollten.


Die Hauptstadt Saint Denis

Nur 50 Flugminuten von Mauritius entfernt, finden wir uns plötzlich in bekannt hektischen europäischen Gewohnheiten wieder. Die Autos fahren wieder auf der rechten Seite und eigentlich sollte sich alles gewohnter anfühlen. Wir haben uns so sehr in Mauritius verliebt und uns vom entspannten Inselvibe anstecken lassen, dass wir uns auf Réunion etwas fehl am Platz fühlen. Ein Vorgeschmack auf zu Hause? Ein erstes Anklimatisieren an die Hektik der Grosstadt, in die wir bald ziehen werden? Gegenseitige schockierte Blicke zwischen Philipp und mir. Erstmal noch weiterreisen ;).

Um erstmals anzukommen erkunden wir die Hauptstadt Saint Denis zu Fuss. Bei einem kunstvoll präsentierten Cocktail mit einer brennenden Limette über dem Tikibecher stossen wir aufs neue Reiseziel an. Ausgehmöglichkeiten und kulinarisch betrachtet, lässt die Innenstadt von Saint Denis die Herzen höher schlagen.

Saint Paul und der schönste Markt

Zum Wochenendstart zieht es uns in die grössere Stadt im Nordwestlichen Teil der Insel. In Saint Paul findet jeden Freitag und Samstag ein Markt statt. Und was für einer! Die Stände sind enorm abwechslungsreich und nebst Souvenirs findet man wunderschöne handgemachte Kunst, lokale Lebensmittel, sehr viel Vanille und Gewürze, Kleidung, leckere frittierte Snacks und vieles mehr. Ein buntes Treiben, von dem wir absolut begeistert sind und die Woche darauf gleich nochmals hingehen.


Cascade Niagara

Leicht mit dem Auto zu erreichen sind die Cascade Niagara. Je nach Wassermenge stürzen sich hier mehrere Bäche die steile Felswand hinunter. Ein netter Stopp bei der Fahrt Richtung Osten.


Cirque de Salazie: Hell Bourg und Wanderung zu den Trois Cascades

In unserem Airbnb hängt eine dreidimensionale Karte, auf der die Landschaft der Insel super veranschaulicht wird. Während sich der aktive Vulkan im Südosten der Insel befindet, liegen im Nordwestlichen Zentrum die drei inaktiven Kraterlandschaften, angereiht um den höchsten Berg, den 3’070 m hohen Piton des Neiges. Zahlreiche Wanderwege führen durch die grüne Vegetation des Cirque de Salazie, Cirque de Mafate und Cirque de Cilaos. Über gut ausgebaute Strassen erreicht man die Bergdörfer und Ausgangspunkte, um die Naturschönheiten Réunions zu bestaunen.

Unser erster Ausflug führt in den Cirque de Salazie. Die Strecke ist besonders schön und über Serpentinen schlängeln wir durch die grüne Landschaft, die immer wieder von Wasserfällen unterbrochen wird. Einmal fahren wir sogar unter Wasser hindurch - Carwash for free. Wir erreichen das Dorf Hell Bourg. Ihm eilt der Ruf voraus, das schönste Dorf Frankreichs zu sein. Die kreolischen Häuser mit ihren charakteristischen Verzierungen entlang der Dächer und den Pastellfarbenen Hausfassaden verleihen dem Dorf einen ganz eigenen und ursprünglichen Charakter. Im Maison Folio könnte man für den Eintritt von 4€ die Gartenanlage und das Innere eines dieser typischen Kolonialbauten begutachten. Wir empfinden das Dorf aber sowieso schon als eine etwas suspekte Beschauung der Behausungen der Einheimischen und gehen lieber auf unsere erste kleine Wanderung.

Die Farbe Grün dominiert die Vulkaninsel.
Im Kessel vom Cirque de Salazie.

Wie online recherchiert, parkieren wir auf der Fläche vor der Busstation. Auf der gegenüberliegenden Seite weist ein unübersehbares Schild auf den Startpunkt der Wanderung zu den Trois Cascades hin. Steil ist der Anstieg vorbei an einigen Wohnhäusern und führt anschliessend in einen dschungeligen Abschnitt über. Beim riesigen Bambus kommen wir ins Staunen und hören bereits das Rauschen des Wasserfalls. Nach etwa 30 Minuten haben wir unser Ziel erreicht und sehen etwas aus der Ferne einen der Trois Cascades. Mit grinsenden Köpfen kämpfen wir uns durch die überwachsene linke Seite, bis wir direkt vor dem Wasserfall stehen. Wir haben den Platz komplett für uns und die Entdeckerlust ist nach diesem Ausflug geweckt!

Selina for scale: Riesenbambus.

Doch nach dem Abstieg folgt der absolute Dämpfer… Gekonnt haben wir über die Verbotsschilder hinweggesehen. Ein Auto, ein Bus und ein offenes Tor, das wir nicht einmal als solches erkannt haben, als wir unser Mietauto auf der fast leeren Fläche platziert haben. Und nun stehen wir vor Eisenstäben, die mit zwei riesigen Vorhängeschlössern verschlossen sind. Schock und Ärgernis über unsere eigene Doofheit zugleich.

Man beachte die Schilder... (hinten rechts übrigens unser Mietauto).

Ich packe mein Französisch aus und wir erkundigen uns bei einer Familie, die gegenüber wohnt, wer wohl den Zugang hat. Sie sagen uns etwas von Buschauffeur, der auf Wanderung sei und um Mittag zurückkommt. Also in 2, 3 oder 4 Stunden, je nachdem wie man „à midi“ auslegt. Zwei Stunden später, kurz vor 12 sitzen wir wie bestellt und nicht abgeholt vor dem Tor, als der öffentliche Bus hält und ein paar Leute aussteigen. Eine Frau blabbert wild auf Französisch los und zeigt auf die knallroten Schilder. Sie klingt verärgert und wir ziehen erstmal die doofe-Touris-die-kein-Französisch-sprechen Masche. Als sie und ihre Begleitung sich auf der gegenüberliegenden Strassenseite hinsetzen und zu uns starren, nehme ich meinen Mut schliesslich zusammen und erkläre in demütigem Tonfall unser Missgeschick. Wir dachten erst, sie wolle uns eine Lektion erteilen, doch es scheint, als wolle sie uns helfen. Es stellt sich heraus, dass einer der Buschauffeure die Schlüssel zu dem Gelände hat und er es immer abschliesst, während er auf die Arbeit geht. Nach kurzer Zeit fährt erneut ein Bus aus der entgegengesetzten Richtung und hält direkt vor meiner Nase. In dem ganzen Wirrwarr ist mir die Verzweiflung sichtlich aufs Gesicht geschrieben und auch ihm brabble ich unser Problem ans Ohr. Ohne eine Miene zu verziehen und einen Satz über die Lippen zu bringen, steigt der Chauffeur mit einem Schlüsselbund in der Hand aus, läuft gemächlich zum Tor, öffnet es und wir ziehen unter ganz vielen „Désolé“s peinlich berührt von dannen. Was für ein schräges (und unsererseits doofes) Erlebnis, das uns in Punkto Parkplatzsituation und Privatgrundstücken eine deftige Lektion war.

Die Cascades Blanches liegen auf dem Rückweg bereits im Nebel. Ab 10 Uhr ziehen nämlich täglich die Wolken über den Talkesseln auf.

Cap Noir, der schönste Aussichtspunkt

Den zweiten Vulkankessel, den Cirque de Mafate, besuchen wir am darauffolgenden Tag. Wir sind früh losgefahren, doch gegen halb 9 Uhr sind die Parkplätze entlang der Strasse bereits ziemlich voll. Die Besucher rüsten sich mit Wanderstöcken aus und wir blicken auf unsere Flipflops. Zum Cap Noir sind es ab hier nur 15 Minuten, also kein Problem für dieses Schuhwerk. Der Miniwanderweg ist rege belebt am heutigen Sonntag. Beim Aussichtspunkt wird sofort klar weshalb. Die Aussicht ist atemberaubend und die Postkarten-Berglandschaft per se! In zackigen Reihen ragen die Bergspitzen aus dem grünen Vulkankessel hoch. Die Dinoinsel überträgt hier den Spitznamen auf die Landschaft.

Wohl einer der schönsten Aussichtspunkte der Insel!

Blut geleckt ab dieser wunderschönen Aussicht, überzeuge ich Philipp von einem weiteren Aussichtspunkt. Ich möchte unbedingt die Aussicht bei Maïdo bestaunen. Die Recherchen bestätigen sich und ab 10 Uhr ziehen tatsächlich dicke Wolken in Richtung Landesinnere. Etwas, das man auf Réunion unbedingt in die Planung einkalkulieren muss. Die Aussichten sind nicht garantiert, Wanderungen können sprichwörtlich ins Wasser fallen und Morgenmuffel sollten auf der Insel Frieden mit dem frühen Wecker schliessen.

Der abnormale Verkehr führt zum Ausflugsabbruch auf halber Strecke. An den Wochenenden sind uns die Orte definitiv zu überfüllt und der Verkehr zu ermüdend.


Die Strasse der 420 Kurven nach Cilaos

Um in den dritten Vulkankrater zu gelangen, ist eine lange Anreise notwendig. Vom Norden aus fahren wir zuerst bis weit in den Süden. Abenteuerlich wird es aber erst, als wir ins Landesinnere abbiegen. Insgesamt 420 Kurven besitzt die Passstrasse vom Cirque de Cilaos um ins Bergdorf Cilaos zu gelangen. Alleine die Fahrt an sich ist ein Highlight und wir sind umrahmt von den imposanten Bergen. Trotz Handschaltung düsen wir gekonnt in die Höhe. Die Strasse ist in einem super Zustand und nur an wenigen Abschnitten zu schmal, um den entgegenkommenden Verkehr zu kreuzen.

Im Kessel des Cirque de Cilaos.
Fahrkünste sind gefragt.

Oben angekommen finden wir dieses mal schnell einen legalen Parkplatz ;) und erkunden zu Fuss das Städtchen. Cilaos gefällt uns auf Anhieb besser als Hell Bourg. Vielleicht wurde das vermeintlich schönste Dorf durch unsere Erfahrung in den Schatten gestellt. Trotzdem sind wir uns einig, dass Cilaos viel sympathischer wirkt. Eingekesselt inmitten des einstigen Vulkankraters geniesst man von jedem Ecken der Stadt aus eine traumhafte Aussicht auf die grün bewachsenen Bergwände. Glücklich schlendern wir mit Käse gefüllten Samossa und Maniok Bonbons in der Hand durch die Strassen.

Der Dorfkern von Cilaos.
Kreolisches Haus.
Selina und Samossa.

Nachdem wir die Fahrt hinunter überstanden haben, möchten wir einen Abstecher an den Strand machen. Der Grande Anse Beach gilt als der schönste Strand der Insel und wird unter Bloggern wegen seiner grossen schwarzen Felsen auch als „Seychellen Beach“ bezeichnet. Entsprechend hoch sind unsere Erwartungen, die leider enttäuscht werden, als wir den überfüllten Strand erreichen und das Badeverbotsschild sehen. Auch hier: Haigefahr und zu starke Strömungen. Der Menschenauflauf ist jedoch verständlich, hat die Insel doch nicht so viele Bade- und Chillstrände und alles verteilt sich auf den kleinen Abschnitt an der Westküste. Zum Badeurlaub muss unsere La Réunion Reise aber auch nicht werden. Und morgen, da steht unsere grösste Wanderung an…


Highlight: Der aktive Vulkan Piton de la Fournaise

Kurz bevor wir auf La Réunion geflogen sind, hat es geglüht. Der Vulkan Piton de la Fournaise (2’631 m) zählt zu den aktivsten Vulkanen weltweit und ist der letzte aktive Vulkan auf der Insel. Im Schnitt bricht er alle 9 Monate aus, wobei die Eruptionen wegen der langsamen Magma jedoch als ungefährlich gelten. Die Vulkanaktivität wird genauestens überwacht, wodurch ein bevorstehender Ausbruch in der Regel im Voraus bekannt ist. Schade, dass wir dieses Naturereignis knapp verpasst haben. Dafür sind die Wanderwege nun 2 Wochen nach dem letzten Ausbruch wieder geöffnet. Um 4:30 Uhr klingelt also unser Wecker und wir düsen los in den Nationalpark im östlichen Drittel der Insel.

Aussicht auf den höchsten Berg, den Piton des Neiges.

Verheissungsvoll sitze ich im Beifahrersitz und blicke nervös auf die Wolken, die noch böse am Himmel hängen. Mehrmals habe ich die Wettervorhersage abgecheckt und für heute schienen die Bedingungen perfekt mit Sonnenscheingarantie. Mit dem Wissen, dass ich mich sehr gut in Dinge reinsteigern kann, verliere ich nur einen Kommentar zu den Wolken am Himmel und versuche, meine Wetterängste vor Philipp zu verbergen und hoffe stillschweigend auf einen perfekten Ausflug, den ich innerlich schon voreilig als Highlight der Reise deklariert habe. Wir biegen in die Route du Volcan ab und durchbrechen schliesslich den Vulkanwald. Einige abgehärtete Camper wärmen sich gerade in der Morgensonne, denn hier oben wird es kalt. Sehr kalt sogar. Gefühlt 5 Grad meldet die Wettervorhersage. Auf der Temperaturanzeige: 10 Grad. Über 15 Grad minus im Vergleich zu den sonst tropisch warmen Temperaturen auf Réunion.

Es folgt das erste Highlight: La Plaine des Sables. Eine Vulkanwüste, eine Landschaft wie auf dem Mond, die sich auf Höhe des Wolkenmeeres vor uns ausbreitet. Für wenige Kilometer wechselt die asphaltierte Strasse zu einer Schotterpiste. Der aufgewirbelte Staub weht wie ein Schleier vor der aufgehenden Sonne und die Stimmung ist echt magisch.

La Plaine des Sables.
Holprig wird's auf dem letzten Abschnitt.

Um 7:30 Uhr erreichen wir die grosse Parkplatzfläche beim Pas de Bellecombe. Wir sind überrascht, wieviele Autos bereits hier stehen. Kurz halten wir beim Aussichtspunkt und lassen den Vulkangipfel, den wir sogleich besteigen werden, auf uns wirken.

Über einen Schotterweg in östliche Richtung erreichen wir die Orientierungstafel und kurz darauf ein Stahltor. Dieses ist bei Eruptionen geschlossen. Die Ausbrüche kann man jedoch von der grossen Aussichtsfläche aus beobachten.

Hier sieht man die Routen super eingezeichnet. Wir haben die violette bis hoch zum Kraterrand gemacht.

Facts zur Wanderung Piton de la Fournaise

Dauer: 5.5 h (4-6h) Strecke: 11.5 km Auf- und Abstieg: je ca. 520 m Parkplatz und Startpunkt: Pas de Bellecombe

Gut sichtbar: Die schwarze, frische Lava vom Ausbruch vorletzte Woche.
Über diesen kleinen Krater führt die Wanderung direkt am Anfang.

Gleich zu Beginn führen Steintreppen im Zickzack 100 Meter hinunter in den Vulkankessel. Sofort wird die Wanderung interessant. Auf der Lavaebene laufen wir über die erkalteten Lavaströme. Vorbei an der scharfkantigen Aa-Lava, die noch dunkel schwarz und entsprechend frischer ist, beginnt schliesslich die Steigung hoch zum Piton de la Fournaise.

Über versteinerte Lavaflüsse...
... vorbei an spitzer, frischerer Aa-Lava.
Die Steine bewundern, die oft silbrig und golden schimmern.

Meine Kondition lässt zu wünschen übrig. Über die vielen Päuschen, die ich benötige, sind wir aber definitiv nicht sauer, denn die Aussicht auf die kleineren Krater, die teils tiefschwarz, teils rötlich gefärbt in der skurillen Landschaft vor uns liegen, zwingen einen richtig dazu, immer wieder zu halten. Solche Vulkanlandschaften üben eine besondere Faszination aus.

Die kleineren aber genauso aktiven Krater, wie man der dunklen Farbe ansieht.
Happy, über den Wolken.
Leichtes Vulkangestein.

Wir wandern über dem Wolkenmeer und fühlen uns wie auf einem anderen Planeten. Die gut sichtbaren weissen Markierungen am Boden weisen uns den Weg. Weiter hoch zum Krater. Nochmals die allerletzte Kraft sammeln für den letzten steileren Aufstieg und dann haben wir es geschafft! Nach etwa 2 Stunden stehen wir am Rand des Kraters. Schwindelerregend sind die Blicke in die Tiefe. Ein Geländer zum Festhalten gibt es nicht. Wie auch, wenn es hier regelmässig zu Ausbrüchen kommt.

Blick in den Krater vom Piton de la Fournaise.

Trotz der Kälte der Morgenstunden in dieser Höhe stehen wir kurzärmlig bekleidet hier oben. Die Sonne wärmt uns ordentlich auf. Auf dieser Wanderung kann man alles brauchen, von Sonnenhut bis Regenjacke.

Geschafft und überwältigt!

Der Abstieg ist mühseliger als erwartet. Gute Trittsicherheit ist auf den gerölligen Lavasteinen gefordert. Ein Ausrutscher kann schmerzhaft werden, denn die Steine sind sehr spitz. Der happigste Teil folgt ganz am Ende der Wanderung, als wir die 100 m Treppe am Rand des Vulkankessels wieder hinauf müssen. 5.5 Stunden haben wir insgesamt mit einigen kleineren Pausen benötigt.


Verpasstes Highlight: Forêt de Bélouve und Trou de Fer

Die Wanderung auf den Piton de la Fournaise war definitiv unser Highlight auf La Réunion. Es gibt noch ein weiteres, das von vielen genannt wird, wenn man nach Reisetipps im Internet sucht. Der Trou de Fer im Cirque de Salazie. Das „Höllenloch“ ist einer der grössten Wasserfälle weltweit. In einer 250m tiefen Schlucht stürzen mehrere Wasserfälle in die Tiefe. Besonders gut soll man die Fälle aus dem Helikopter bestaunen können.

Notiz am Rande: An Helikoptergeräusche muss man sich auf La Réunion gewöhnen. Als Highlight für viele Touristen zirkulieren stündlich mehrere Helis über die Köpfe hinweg, natürlich insbesondere bei den Hauptattraktionen.

Zum Trou de Fer gelangt man in einer ca. 1.5h Wanderung. Sehen kann man sie dann von einer Aussichtsplattform aus der Ferne aus. Die Wanderung führt durch den Märchenwald Forêt de Bélouve, dem einzigen Regenwald auf der Insel. Allein dies soll ein Highlight sein, mit der vielseitigen Pflanzenwelt Réunions. Offiziell ist der Wanderweg seit 2019 wegen Erdrutschgefahr geschlossen und wird seitdem nicht gewartet. Trotzdem unternehmen viele die Wanderung mit dem Risiko, dass die Aussichtsplattform einstürzen kann. Auf unserer Liste wurde dieses Inselhighlight daher gestrichen.

Nachfolgend eine kleine Pflanzengalerie von anderen schönen Ecken der Insel:


Auf den Spuren der Lava, Tour im Süden

Ein Highlight für uns ist der Tagesausflug in den Süden. Einmal die Insel umrunden, das finde ich auf Inseln immer ein toller Vorsatz, um das Gesamtbild abzurunden. Zum ersten Mal fahren wir also über die Ostküste. Hier ist es gleich viel ruhiger und es herrscht überschaubarer Verkehr im Vergleich zu den Highways im Nordwesten. Etwas vom entspannten Mauritius Vibe kehrt zu uns zurück.

Unser erster Halt ist der Wasserfall Grande Galet. Nebst dem Trou de Fer gilt er als der schönste Wasserfall der Insel. Nur ist er viel einfacher zu erreichen. Mit dem Auto kann man nämlich bis direkt zum Wasserfall fahren. Nur ein kleiner Strassenabschnitt ist erschreckend steil und kurvig, was bei Gegenverkehr zu mühsamem Anfahren im Steilhang führt. Der Wasserfall ist es absolut wert und auch für uns der schönste der Insel!

Weiter geht es zum Cap Jaune. Schon beim aussteigen weht uns der Wind beinahe die Autotüren zu. Rauh ist das Meer vor dem schwarzen Sandstrand. Schwarze Lavafelsen mit scharfen Kanten ergänzen das Bild der Vulkaninsel. Eine gemütliche 30-minütige Wanderung führt am Meer entlang zum Cap Jaune, einer 50m hohen gelben Felswand. Der Weg an sich ist ein Highlight, abgerundet von dem imposanten Fels, der im Vergleich zu den sonst so schwarzen Felsen richtig strahlt.

Windig war's. :P

Kurzer Halt beim Cap Méchant, dem Felsentor, das wir nicht sehen =P. Dafür sehen wir noch steilere Lavaklippen und bestaunen nochmals die riesigen Wellen, die mit voller Wucht an die Felsen preschen und in weissen Fontänen für eine spritzige Abkühlung sorgen.

Wie ein Miniroadtrip fühlt sich unser Ausflug in den Süden an. Und wie das bei Roadtrips so ist, sind nicht nur die Stopps ein Highlight, sondern auch die Fahrt an sich. Im Osten der Insel liegt der Ort, wo die Lava ins Meer fliesst. Der letzte grosse Ausbruch im Jahr 2007 hat hier seine Spuren hinterlassen und die Grösse der Insel mal schnell vergrössert. Weitere Schauplätze anderer Jahre können hier bestaunt werden und man erkennt, welche Ausbrüche länger zurückliegen und wo die Natur über die eigene zerstörende Macht hinaus aus dem glühenden Erdinnern wieder Leben formt.


Fazit La Réunion

Die Vulkaninsel hat Philipp und mich mit ihrer Landschaft absolut begeistert. Wir hatten leider einige Begegnungen und Erfahrungen, die uns nicht ganz warm werden liessen mit der Insel. Unser Herz hat ganz klar Mauritius gewonnen. Trotzdem haben wir Réunion jeden Tag eine neue Chance gegeben und wurden vor allem von der Natur begeistert. Vom Einheimischen Vibe her vermissten wir sehr den entspannten Inselvibe, wie man ihn sonst so oft erlebt. Hier ist der Lebensstil schon eher Europäisch, bzw. stark Französisch beeinflusst.



Reisetipps La Réunion

Beste Reisezeit

Als beste Reisezeit für Réunion gilt der Frühling in den Monaten Oktober und November. Das Klima ist dann besonders gut für Ausflüge geeignet und die Vegetation sehr üppig. Die wärmste Saison bringt mehr Niederschläge mit sich und dauert von November bis April an.


Routenvorschlag

Die Reisedauer hängt stark von den persönlichen Ausflugswünschen ab. Unsere 12 Tage empfanden wir eher als lang. Wir waren aber sehr flexibel in punkto Wetter und genossen auch einige Tage des totalen Faulenzens. Aufgrund der langen Anreise und für Fahr- und Wanderpausen würde ich 10 Tage empfehlen. In Kombination mit Mauritius fände ich 7 Tage auf La Réunion ausreichend. Hier ein Beispiel, was man in dieser Planung unternehmen könnte:

  • Tag 1: Cirque de Salazie, Hell Bourg und Wanderung (z.B. Trois Cascades)

  • Tag 2: Cap Noir + Wanderung Roche Verre Bouteille

  • Tag 3: Markt von Saint Paul und Baden in der Lagune

  • Tag 4: Vulkanwanderung Piton de la Fournaise

  • Tag 5: Cirque de Cilaos

  • Tag 6: Wanderung im Märchenwald Forest Bélouve zum Höllenloch Trou de Fer

  • Tag 7: Osten und Südküste erkunden: Grand Galet, Cap Jaune, Cap Méchant, Coulée de lava 2007


Allgemeine Erfahrungs-Tipps

  • Beim Mietauto empfehlen wir aufgrund der Passstrassen und zahlreichen (!) Verkehrsberuhigungen einen Automaten zu mieten. Wir haben bei Wein Location über EconomyCarRentals gemietet und CHF 32.- pro Tag für das Fahrzeug bezahlt.

  • Wir fanden es sehr einfach, eine Base in Saint Denis zu haben und Tagesausflüge zu unternehmen. Allerdings sollte man die Strecken nicht unterschätzen. Besonders die Pässe ziehen sich die Berge hinauf. Grundsätzlich empfiehlt es sich, ein Auto zu mieten, um die Sehenswürdigkeiten flexibel und unabhängig zu erreichen. Mit den öffentlichen Bussen stellen wir uns das als extrem mühselig und zeitaufwändig vor.

  • Wer Mühe hat mit Übelkeit bei kurvigen Strecken, sitzt bei den Passstrassen wohl lieber am Steuer =). Die Strassen an sich sind auf der Insel in sehr gutem Zustand.

  • Auf der Insel ziehen meist ab 10 Uhr Wolken auf und hängen tagsüber in den Gebirgen im Landesinnern fest. Wir konnten das während unserer 12 Tage auf Réunion beobachten und sind selbst zu Frühaufstehern mutiert, um eine höhere Garantie auf gute Sicht und Sonnenschein zu haben.

  • Wenn möglich die Wochenenden meiden. Die Aussichtspunkte sind dabei so überlaufen, dass wir bei einem Ausflug sogar umgedreht sind, weil der Verkehr den Pass hinauf so nervenaufreibend war.

  • Die Berghütten mit idealster Lage für Wanderungen sind sehr schnell ausgebucht. Ich würde empfehlen, eine Unterkunft als Basis in Saint Denis oder Saint Paul zu buchen und ab da Tagesausflüge zu unternehmen. So ist es auch einfacher, das Tagesprogramm spontan den Wetterverhältnissen anzupassen und man ist nicht an zahlreiche Unterkunftswechsel gebunden. Lediglich für die 2-Tageswanderung auf den Piton des Neiges ist eine Hüttenübernachtung unabdingbar.

  • Es kann sein, dass gewisse Ausflugsziele oder Wanderungen gesperrt sind oder die Anreise etwas kompliziert ist. Ich habe bemerkt, dass es dafür am einfachsten ist, die neusten Rezensionen auf Google Maps durchzulesen und somit aktuell informiert zu sein. Für unsere Ausflüge habe ich die Tipps und Startpunkte in die Sightseeing Map am Ende des Blogs eingetragen.

Reisebudget

Insgesamt empfanden wir La Réunion eher als teuer, was uns im Vergleich zu Mauritius sehr überrascht hat, da wir es genau umgekehrt erwarteten. Réunion gehört zu Frankreich und widerspiegelt europäische Preise. Bezahlt wird mit Euros.

Auswärtsessen geniesst man zu gewohnt hohen Preisen. Aber auch hier gibt es günstigere Streetfood Möglichkeiten. Die Preise in den Lebensmittelläden sind eher hoch, bzw. ähnlich wie die Schweizer Preise. Wir empfehlen hierfür den Markt in Saint Paul (Freitags und Samstags) wo man überaus günstig Gemüse einkaufen kann.

Mietautos findet man ab CHF 30.- pro Tag und für Unterkünfte sollte man mindestens CHF 30.- pro Nacht pro Person einplanen.

Eine gute Nachricht ist: Die Aktivitäten sind alle kostenlos. Fürs Wandern in der Natur und Parkieren bezahlt man nämlich nichts =).


Unterkünfte

Unser Budget von CHF 50.- pro Nacht konnten wir nicht einhalten. Unsere Gesamtkosten lagen bei CHF 648.- für 11 Nächte. Das ergibt CHF 324.- pro Person und CHF 29.50 pro Nacht pro Person.

Unser erstes Airbnb hat uns so gut gefallen, dass wir sofort für den gesamten Aufenthalt verlängern wollten. Leider war das Apartment für die weiteren Tage bereits ausgebucht. Die Lage war top und wir konnten das Mietauto in der Tiefgarage parkieren und zu Fuss in die Stadt gehen. Auch der Autobahnanschluss lag sehr nah, wodurch Tagesausflüge super unternommen werden konnten. Ebenfalls froh waren wir über die Waschmaschine und die gut ausgestattete Küche.


Mit dem zweiten Airbnb waren wir leider nicht so zufrieden. Die Lage war etwas abseits einen Hügel hinauf, was immer eine zusätzliche Fahrt von 20min mit sich brachte. Die Wohnung ist sehr fotogen, jedoch nicht gerade häuslich. Als Bett dient ein knartzendes Bettsofa. Leider hatten wir ab Tag 1 ein Problem mit Ameisen.


Sightseeing Map