Südtirol · Zwischen Bergen und traumhaften Seen


Wenn man Italien hört, denkt man sofort an die köstliche Küche, einen kühlen Aperol-Spritz am Strand oder die zahlreichen bunten Dörfer, die entlang der italienischen Küste erbaut wurden. Im Nordosten des Landes jedoch kommen Outdoorfreunde voll auf ihre Kosten. Im Südtirol, wo österreichisches Flair auf italienische Herzlichkeit trifft, begeistert die unglaubliche Natur jährlich zahlreiche Touristen. Nach einigen Schwärmereien meines Vaters, der nach seiner ersten Töfftour bereits zum ca. zehnten Mal in diese Region Italiens zurückkehrte, zieht es auch mich ins Südtirol.


Gemütlicher Start in Graubünden

Nachdem der Papierkrieg mit zahlreichen Einreiseformularen bekämpft ist und wir den Antigen-Test über uns ergangen lassen haben, fahren Ramona und ich erstmal in Richtung Lenzerheide. Eine Nacht in der Ferienwohnung meiner Eltern dient als gemütlicher Auftakt vor den Tagen in unserem rollenden zu Hause. Graubünden ist ein idealer Ausgangspunkt für die Fahrt ins Südtirol.

So geniessen wir den leckeren Gewürztraminer, der mein Vater noch von seinem letzten Südtirol-Trip mitgebracht hat und sind schon ganz aufgeregt, den Herkunftsort des Weins in den nächsten Tagen selbst zu erkunden.

Auf ins Südtirol, 1. Stopp: Meran

Gleich 3 Pässe müssen wir überqueren, um ins Nachbarsland zu kommen. Übers Albulatal fahren wir nur knapp am berühmten Landwasserviadukt vorbei und erreichen schliesslich den Ferienort Davos. Mit aufgewärmten Fahrkünsten schlängeln wir uns anschliessend den Flüelapass hinauf, der uns wolkenverhangen trotzdem mit seiner schönen Natur begeistert.

Kurz vor der Grenze beginnt dann die klassische unnötige kleine Nervösität. Wie man jedesmal das Gefühl hat etwas zu verbergen, sobald man den uniformierten Menschen entgegenfährt. Vorbildlich hält Ramona am Stopp Signal und strahlt dem Grenzwächter entgegen. Er winkt, sie winkt noch viel wilder und so einfach verläuft die Grenzüberfahrt, vor der man seit Corona-Zeiten immer bammel hat.


Unser erster Campingplatz liegt hinter einem sehr noblen 3*** Hotel (Prinz Rudolf). Die Kombination aus Hotel und angrenzendem Campingplatz wird uns noch oft auf dieser Reise begegnen, schien uns aber immer ein bisschen schräg und kontrastreich. Auf dem Dach des modernen Gebäudes befindet sich eine künstlerisch angelegte Liegefläche, sowie zwei runde Pools die eher wie Deko als zum baden scheinen. Für einen kleinen Aufpreis dürfte man sogar den Wellnessbereich nutzen und im Infinity-Pool schwimmen.

Uns zieht es jedoch ins nur 10 Minuten entfernte Städtchen Meran. Die hübsche Stadt lädt zum flanieren und geniessen ein. Der eher touristische Ort hat einen ganz eigenen Charme und hier könnte man sich einige Tage vertun. Bei einem völlig überteuerten Pasta-Souvenirstand kaufen wir bereits einige Mitbringsel für zu Hause. Ramona bezahlt dabei mit einer seltsam ausschauenden 1 Euro Münze. Später bemerken wir dann, dass es sich dabei um einen Dollar gehandelt hat. Naja der Verkäufer hat wohl eh genug an uns verdient :P

Menü aus der Camping-Küche

Gschwellti mit Kräuterfrischkäse, dazu würziger Mais und Paprika.


Eine Schlucht als Schlechtwetter-Programm

Nach dem kurzen Städteaufenthalt führt unsere Fahrt weiter in den Süden. Bei Bozen bleiben wir 2 Nächte auf dem Campingplatz Steiner. Ein schöner Stellplatz, bei dem einem Rebenüberwachsene Unterstände Schatten spenden. Aufgrund der Hochsaison haben wir einige Stellplätze vorab versucht zu buchen. Da dieser erst ab 5 Nächten reserviert, konnten wir am Vormittag anrufen, da es dann meist problemlos möglich ist, einen Platz zu bekommen.

Da uns der Platz jedoch zu überfüllt von längerfristigen Campern ist, packen wir unsere Regenjacken und fahren in die ca. 45min entfernte Bletterbachschlucht. Eigentlich führt die Hauptstrasse auf bequemen Weg hier hoch. Einmal falsch abgebogen zwängen wir uns jedoch mit dem T5 durch die berühmten engen italienischen Gässchen. Mein Lieblingssatz dieses Urlaubs wird wohl, wie froh ich bin, so ein kleines Büsli im Vergleich zu den grossen Campern zu haben :P.


Obschon die untere Schlucht geschlossen ist, führt immer noch ein ca. 3 1/2-stündiger Weg durch die Bletterbachschlucht. Nach einer kurzen Instruktion und der Übergabe der äusserst fotogenen weissen Helme, laufen wir zu den markierten Aussichtspunkten. Der Weg führt durch den Wald und bietet Einblicke in den Canyon Südtirols. Im weiteren Abschnitt laufen wir durch das Bachbett hindurch und in Richtung des Kessels, der einem Vulkankrater gleicht. Die unterschiedlichen Gesteinsschichten der Dolomiten zeigen sich in verschiedenen Rottönen und es sieht wirklich aus, wie ein Mix aus erloschenem Vulkan und saftigem Tannenwald.

Menü aus der Camping-Küche

Mega Salat mit Avocado, Feta, Tomaten, Gurken, Joghurtdressing und Brot


3-Seen Tag

Bei Wanderferien scheint es uns ideal, nach jedem Wandertag einen Pausentag einzulegen. Trotz bewölktem Himmel lockt uns die schwüle Temperatur zum 25min entfernten Kalterer See. Der riesige Parkplatz vor dem See und die anliegende Badi lassen es schon erahnen. Der See ist ziemlich bebaut und ausser beim Schwimmbad kaum badezugänglich. Der etwas enttäuschende Seespaziergang führt vielmehr durch Apfelplantagen und Reben, die den Großteil des Panoramas in der Gegend ausmachen.

Wir starten einen zweiten Badeversuch am Montiglersee, den man nach weiteren 25min Fahrt erreicht. Der Parkplatz hier wirkt schon etwas naturbelassener und um zum grossen Montiglersee zu gelangen läuft man erst noch 10 Minuten durch den Wald. Ausserdem belaufen sich die Parkgebühren auf max. 4 Euro pro Tag. Unter 3 Stunden bezahlt man sogar nur 2 Euro, sehr sympathisch.

Zu Beginn des Sees befindet sich auch wieder eine Badi und der kreischende Lärm der zu uns rüberweht nimmt uns die Entscheidung ab, ein etwas einsameres Plätzchen am See zu suchen. Bei dem naturbelassenen See jedoch gar nicht mal so einfach. Schliesslich schlagen wir unsere Picknickdecke am gegenüberliegenden Ufer am Waldrand auf und kühlen uns in dem smaragdgrünen Wasser ab.

Für den dritten Stopp des Tages ist eine 1-stündige Fahrt notwendig. Um 16:45 Uhr erreichen wir den Parkplatz vor dem Karersee, nachdem wir uns die passähnliche Strasse in die Höhe hinauf geschlängelt haben. Der See, welcher lediglich zum Bestaunen ist, da hier Badeverbot gilt, ist um diese Uhrzeit noch voll besucht, obschon der Tunneldurchgang zum See in einer Viertelstunde schliesst.

Wir wissen nicht, was die ideale Besuchszeit für diese Attraktion wäre, doch der Anblick des Sees ist so atemberaubend, dass man die vielen Touristen leicht ausblenden kann. In surrealem Dunkelblau glitzert das Wasser vor uns. Die dahinterliegende Bergkette ragt schroff in den wolkenverhangenen Himmel. Es wirkt fast, als befinde sich ein Sternenhimmel unter Wasser, so besonders ist dieses dunkle Blau. Bis jetzt der schönste See, den ich je gesehen habe, doch das Südtirol hat noch einen weiteren im Kasten, zu dem es uns zu einem späteren Zeitpunkt verschlägt.

Menü aus der Camping-Küche

Eine Curry Improvisation aus Kokosmilch und viel Currypulver mit Zucchetti, Paprika, Brokkoli und Reis. Zum Dessert hausgemachter Apfelstrudel und Bienenstich aus dem Camping-Lädeli.


Erstes Wanderhighlight: Seceda

Die nächste Übernachtung konnten wir wieder im Voraus buchen und so passt es, dass wir bereits um 7 Uhr in der Früh aufbrechen und zwischen den Campingplätzen eine Wanderung einbauen. Der Ort Sankt Ulrich liegt nämlich auf halber Strecke. Für 35 EUR pro Person (retour) bringen uns die beiden Gondeln zum Gipfel der Seceda.

Die rote Färbung erinnert wieder an vulkanische Gesteine, ähnlich wie bei der Bletterbachschlucht.

In den ersten 10 Minuten, die wir den Berg erklimmen, schnaufen wir schon so fest, dass wir uns fragen, ob man die Höhe ab 2500 m.ü.M. auch schon bemerkt, oder wir einfach nur aus der Übung sind.

Wir haben Glück und die Wolken ziehen mit einem solchen Tempo über die Steilwand, dass es eine mystische Stimmung auf dem Berg gibt. Ich denke, für die Seceda selbst kann ich die Bilder sprechen lassen =).

Wir folgen dem Weg entlang des Steilhangs und lassen die Bergmassive auf uns wirken. Erst beim ersten Restaurant lösen wir die Blicke von der Naturkulisse und erfreuen uns ab niedlichen Lamas und Zwergziegen.

Nach der ersten Kaffeepause heisst es, verwirrt mit der Wanderkarte rumirren. Das Gebiet, welches im Winter zum Schneesportgebiet wechselt, scheint überschaubar, aber die vielen Abzweigungen und Wanderschilder verwirren uns. So oft habe ich wohl nie nach der Karte gegriffen. Schliesslich finden wir doch noch irgendwie auf den Pfad, der zur Mittelstation führt und entkommen zumindest im letzten Teil ein wenig dem Touristenandrang. Dafür geht der Abstieg umso mehr in die Knie. So steil es hinab geht, geht es natürlich auch hinauf und wir bedauern etwas die schnaufend entgegenkommenden Wanderer, die nicht mal mehr einen schönen Blick auf die Seceda erhaschen werden, da diese mittlerweile komplett in der Wolkendecke verschwunden ist. Das frühe Aufstehen hat sich hier also definitiv gelohnt!


Erneut nächtigen wir hinter einem Luxushotel, halten passenderweise einen Aperol-Spritz in der Hand und brutzeln in der Sonne, die sich doch noch nach vorne getraut hat.

Menü aus der Camping-Küche

Pad Thai


Camping direkt am See

1 E-Mail und 2 Anrufe hat es gebraucht, um unseren nächsten Campingplatz zu sichern. Der Spot am Toblacher See ist immer rege besucht und man kann ihn erst ab einem Wochenaufenthalt reservieren, wurde mir vorab mitgeteilt. Deswegen haben wir am Vorabend angerufen, mussten um 20 Uhr erneut anrufen und tatsächlich trugen sie uns für die 2 kommenden Nächte auf einem Stellplatz ein, sofern wir bis 11:30 Uhr eintreffen. Von 12-15 Uhr herrscht nämlich Verkehrsberuhigung und die Zufahrt zum Campingplatz ist gesperrt. Das ist übrigens keine Seltenheit im Südtirol.

Über eine halbe Stunde länger dauert unsere Fahrt, da wir in einen unerklärbaren Stau gelangen. Doch wir kommen pünktlich an und sind sofort hellauf begeistert von unserem zu Hause für die nächsten zwei Nächte.

Bereits die Fahrt über die kleine Brücke bezaubert mit dem darunterliegenden See. Erfreut über den erneuten Wanderpausentag schmeissen wir uns in die Bikinis, suchen einen Badeplatz, um dann festzustellen... es friert einem fast den Körper ein! Das Wasser ist eiskalt, da ein Fluss hindurchfliesst und sich der See so nicht mal in den Sommermonaten auf akzeptable Temperaturen aufheizt. Trotzdem geniessen wir die Erholung, haben auch endlich einen sonnigen Tag erwischt und sind zuversichtlich, dass es endlich vorbei ist mit der Stürmerei dieses Sommers.

Menü aus der Camping-Küche

Pasta an Pesto rosso.


Auf zum Wahrzeichen: Die 3 Zinnen

Im Bewusstsein, dass wir in der Hochsaison reisen und DAS Wahrzeichen der Dolomiten anschauen möchten, erkundigen wir uns am Empfang, wie wir die 3 Zinnen Wanderung am besten angehen sollen. Der liebe Receptionist rät uns unbedingt um 7 Uhr loszufahren, denn ab 9 Uhr seien die ca. 500 Parkplätze beim Nationalpark bereits besetzt.

Also ist es beschlossene Sache. Der Wecker gestellt, Snackpakete vorbereitet und ohne Kaffee intuns stehen wir immer noch leicht fröstelnd von der kalten Nacht um 6:57 Uhr vor der Barriere. Karte einlesen und... rotes Licht. Wie ein Schweizer Klischée warten wir überpünktlich vor der Schranke, probieren es um 7 Uhr erneut und fahren los zur ca. 35 Minuten entfernten Auronzo-Hütte.


Die Strasse dahin ist beinahe menschenleer und der Weg so klar ausgeschildert, dass man ihn gar nicht verfehlen kann. Vor dem Parkeingang hat sich schon eine kleine Schlange gebildet und der digitale Zähler zeigt noch 320 freie Parkplätze an. 30 Euro Tagesgebühr und schon sind wir drin und auf dem Weg hinauf, direkt unter die berühmten 3 Zinnen.

Mit Leichtigkeit finden wir einen Parkplatz oberhalb des Restaurants. Einige scheinen hier oben gecampt zu haben, was wohl erlaubt ist. Die Morgenluft ist kühl, doch ein Schritt in die Sonne wärmt sofort auf. Wie traumhaft muss das Aufwachen hier sein, wenn schon wir als Tagesbesucher sprachlos sind vom Massiv der 3 Zinnen und der zackenförmigen Bergkette der Cadini di Misurina.

Ab der Aronzo Hütte startet der gut sichtbare Rundweg um die 3 Zinnen. Die insgesamt 4-stündige Wanderung verläuft gemächlich bis zur ersten Hütte. Anschliessend geht es leicht bergauf und auf dem geraden Weg zur Dreizinnenhütte sieht man die Zinnen erstmals in Postkartenmotiv-Position. Wie ein versteinerter Dreizack ragen die Zacken aus der Erde hinauf. Darunterliegende Menschen wirken wie winzige Ameisen. Kein Wunder, 2’999 m misst die höchste der 3 Zinnen!

Obwohl der Weg teilweise doch ein bisschen an eine Völkerwanderung erinnert, ergattern wir mit Leichtigkeit einen freien Picknicktisch bei der Dreizinnenhütte und stärken uns mit Kaffee und Kuchen. Bevor es an den steilsten Teil der Wanderung geht, sollte man unbedingt einen Blick auf die beiden Bergseen hinter dem Restaurant erhaschen.

Es folgt der steilste Part hinunter und anschliessend wieder hinauf. Immer begleitet mit den 3 Zinnen zur Linken.

Der letzte Abschnitt überrascht nochmals mit zwei Bergseen, in denen sich das Wahrzeichen spiegelt. Erneut könnte man Halt in einer Berghütte machen. Wir ziehen die Wanderung gleich durch und essen bei der Auronzo-Hütte zu Mittag. Beim vielen selber Kochen wollten wir uns mal ein Mittagessen auswärts gönnen, doch leider ist der (ezgüsi) Mensafrass sehr enttäuschend. Da kochen wir doch noch besser in unserem Büsli (sagt die, die das Abendessen heute aufs übelste versalzen wird).


Tipp von meinem Kollegen Lucien

Mein Kollege aus dem Studium ist selbst Campingbegeistert und hat das Südtirol kürzlich mit seiner Freundin erkundet. Ein Tipp, den wir leider verpasst haben ist der Wanderweg Nr. 117 vom Parkplatz der Auronzo-Hütte aus. In nur 30 Minuten erreicht man den schönsten Aussichtspunkt auf die Cadini di Misurnia. Seinen Blogbeitrag verlinke ich gerne hier =).

Menü aus der Camping-Küche

Bouillon-versalzenes Risotto mit Zucchetti und getrockneten Tomaten. Zum Durstlöschen dafür direkt eine Flasche Moscato und ein Gläschen Gewürztraminer aus der Region.


Ein weiterer Pausentag, ein weiterer See

Nach 2 Nächten auf dem bisher schönsten Campingplatz unserer Reise zieht es uns nur 20 Fahrminuten weiter an den Campingplatz direkt unterhalb der Hochfahrt zu den 3 Zinnen.

Schon gestern haben wir auf dem Weg einen See erblickt, der uns angezogen hat. Der Dürrensee mit kitschigem milch-Türkisen Wasser lockt uns zu sich. Wie die meisten Seen lässt auch er sich umrunden. Zwischen der Hauptstrasse und dem Dürrensee liegen genügend kostenlose Parkplätze, sowie ein Restaurant. Wir verpflegen uns einfach mal selbst auf einem Platz weiter hinten, bevor es an einen Tag voller "Sünnälä" und "Bädälä" geht. Baden eher für Ramona, mir ist auch der See noch etwas zu kühl, wenn auch wärmer als der Toblacher See ;).

Pasta tre P statt cinque P auf dem Parkplatz. Passt doch zur 3 Zinnen Region =D.
Strandähnlicher Abschnitt vor Bergpanorama.

Der Vibe der östlichen Gegend des Südtirols gefällt uns enorm. Neben uns spielen zwei Deutsche Kinder mit einem Italienischen Sprössling und überwinden die Sprachbarriere mit ganz einfachen Wörtern und Hand-und-Fuss Kommunikation. Eine Wandergruppe von ca. 10 Italienern beschert uns ein regelrechtes Kino, da sie bei der winzigen Wasserüberquerung eine halbe Party abziehen und jeden einzelnen mächtig anfeuern, der mit Anlauf über das Rinnsal springt.


Auch auf dem Campingplatz fühlen wir uns auf Anhieb wohl. Sie pflegen eine sehr unkomplizierte Kultur, haben immer irgendwo ein Plätzchen zum nächtigen. Die Sanitäranlagen sind zwar vergleichsweise rustikal, mit einer 1-Knopf Dusche ohne Temperaturregulierung und teils versplitterten (*hust*, mitschuldig) Waschbecken. Aber diese Einfachheit haben wir so lange ersehnt. Das soll doch auch ein Teil vom Campingleben sein. Getoppt wird der Platz von einer Eselherde die nebenan grast und deren Glockenbimmeln an die Kühe zu Hause in der Schweiz erinnern.


Menü aus der Camping-Küche

Kartoffelwürfelchen mit Dosen Erbsen/Rüebli und viel Gewürzen.


Ein verdienter Traum: Der Sorapis See

5:45, der Wecker klingelt. Verschlafen blicken wir mit kleinen Schlitzen aus dem Fenster und sehen Nichts, statt der üblichen Bergketten. Ein Nebelmeer taucht den Himmel komplett in weiss. Und wir sind nicht nur viel zu Müde zum denken, sondern auch überfordert, eine Entscheidung zu treffen. Gestern haben wir uns nämlich von einer des Italienischen Schwesternduos über die Wanderung zum Sorapis See beraten lassen. Im Internet liest man viele abschreckende Beschreibungen der Route. Drei unterschiedliche Wege führen hoch, davon auch der einfachste an teils exponierten Stellen, die mit Stahlseilen und Eisentreppen verstärkt sind. Abschreckende Worte für zwei, die leicht zur Höhenangst tendieren. Sie riet uns zudem, noch vor halb 7 loszugehen, da der Weg teilweise so schmal ist, dass ein Kreuzen zum Akt der Unmöglichkeit wird. Je später man geht, mit umso mehr Leuten teilt man den Wanderweg.

Wir studieren die Wetterkarte, schauen genau, wie der Wolkenverlauf prophezeit wird und da das morgendliche Matschhirnchen keine Idee für ein plausibles Alternativprogramm im Kasten hat, beschliessen wir, es einfach zu probieren. Notfalls könnte man ja umdrehen aber hat es wenigstens versucht. Denn besonders mich reizt dieser Ausflug enorm, der sich als vermeintliches Highlight in meinen Kopf festgenagelt hat.


Ab dem Nachmittag soll es zu Tropfen beginnen. Also noch genügend Zeit, die ca. 4-stündige Wanderung bis zum Mittag zu schaffen.

215 | Hm: 300-400 | Länge: 10-11km | Gehzeit: 4h

In nur 10 Fahrminuten erreichen wir den offiziellen Parkplatz (Google Maps: Parcheggio per Sorapis) beim Passo tre croci. Von hier aus geht es erst vorbei am einfachen B&B Hotel entlang der Pferdeweide, wo der Weg 215 (die leichteste Route) Richtung Wald startet. Die Wanderung beginnt gemütlich und die Muskeln können sich schön aufwärmen bei dem Spaziergang ähnlichen Abschnitt durch den Wald. Schliesslich kommt der erste knifflige Teil über eine Schneezunge, die aber wohl auch nur mir am meisten zu Schaffen macht. Ramona tänzelt gekonnt ans andere Ende.

In meinem Kopf herrscht schon völliges Kopfkino, wie wohl der so schlimm klingende Aufstieg werden wird. Bis schliesslich die Steigung beginnt.

Immer wenn man denkt es geht wieder geradeaus, kommt der nächste Bogen und es geht nochmals hinauf.

Bei den exponierten Stellen hat unsere Höhenangst keine Chance, denn der Nebel verdeckt den Tiefblick. Aufgrund des heissen Vortages sind glücklicherweise auch die Steine sehr trocken. Bei Regenfall soll es hier nämlich gefährlich rutschig werden. Bei den schlimmsten Passagen helfen Stahlseile an den Wänden oder es führen Eisenleitern hinauf. Einem Klettersteig gleicht dies aber nicht und so ist es nicht mal der Weg selbst der uns zu schaffen macht, sondern vielmehr die Anstrengung des Aufstiegs, der sich wirklich auf diesen Abschnitt der Wanderung zentriert.

Hier mit Tiefblick - den Wanderweg haben wir auf dem Rückweg dokumentiert.

Erneut führt der Weg durch den Wald, immer in Richtung Vandelli-Hütte und Sorapis See. Als wäre es Schicksal, kommt plötzlich die Sonne hervor und endlich erreichen wir ihn, den türkisfarbenen See. Den schönsten See, den ich je gesehen habe!

Nicht nur die Schönheit des pastellfarbenen-türkisblauen Sees flasht uns enorm. Den See kann man nur zu Fuss erreichen und nach dieser Anstrengung verdoppeln sich die Glückshormone natürlich sofort. 2 Stunden haben wir für den Aufstieg gebraucht. In der unweit entfernten Vandelli-Hütte ist der köstliche Kaffee mehr als verdient, bevor wir uns um 10 Uhr wieder an den Abstieg machen.

Bereits hier merken wir, was die Receptionistin angekündigt hat. Das Kreuzen wird mühsam. Doch da wir den Aufstieg vor einer Stunde erst noch selbst bewerkstelligt haben, machen wir den angestrengten Wanderern, die uns entgegenkommen, natürlich schön Platz und denen, die uns ansprechen, Mut für die traumhafte Belohnung, die oben auf einen wartet.


Auch für den Abstieg benötigen wir 2 Stunden und müssen leider schockiert feststellen, dass die Rezensionen aus dem Internet recht behalten und sich tatsächlich viele in schlechtem Schuhwerk oder sogar in Begleitung von Kleinkindern an die doch anspruchsvolle Wanderung wagen. Erst recht schockiert bin ich, als wir fix und fertig zurück auf dem Campingplatz sind und es bald darauf in Strömen zu regnen beginnt. Blitze und Donner krachen über unseren Köpfen und zwingen uns zum einmümmeln im gemütlichen Büsli.

Ich denke noch oft an die Wanderer, die noch unterwegs sind und hoffe sehr, dass es alle heil hinunter geschafft haben...


Kochen ist bei dem Regen leider nicht mehr möglich und so flüchten wir ins anliegende Restaurant Alla Baita, wo wir die Zeit bis zur Küchenöffnung um 18:30 Uhr mit Kuchen überbrücken. Das abendliche Festmahl haben wir dann mehr als verdient, gönnen uns Kartoffelsalat und leckere Pasta, obendrauf noch eine Portion Pommes und für den flüssigen Abgang Sauvignon aus der Region und ein kühles Radler. Sogar das Fanta und der Eistee stammen aus Italien - wir lieben deine Küche!


Letzter Camping Tag

Nach der verregneten Nacht wecken uns die hereinstrahlenden Sonnenstrahlen. Der Kaffee wird heute eingekuschelt im Bett getrunken, bevor es an die Rückfahrt vom Osten Richtung Westen geht. Zurück in Meran checken wir auf dem sympathischen Campingplatz ein und haben einen Stellplatz direkt am Angelteich. Es herrscht eine angenehme Ruhe und wir lassen die Erlebnisse der letzten Tage sacken. Für den letzten Abend machen wir uns etwas hübsch und schlendern durch das schöne Städtchen Meran. Der Kreis scheint sich zu schliessen und unsere Reise im Südtirol endet, wo sie begonnen hat.

Im Hellweger's, einer Pizzeria die etwas versteckt in einem Innenhof liegt, ergattern wir einen Tisch und erfreuen uns ab der köstlichen Pizza und einem kühlen Cassis Tonic.


Post-hike-holiday-relaxing

Die geplante Rückreise übers Glarnerland inkl. einer letzten Wanderung und einem letzten See fallen sprichwörtlich ins Wasser. So entscheiden wir uns spontan, noch 2 Nächte in der Ferienwohnung zu bleiben und meinen Eltern und meiner Schwester Gesellschaft zu leisten.


Im Hotel Sarain im kleineren Ferienort Lantsch (unweit von Lenzerheide) können wir uns für nur CHF 25.- p.P. einen 3-stündigen Wellnesseintritt gönnen und haben den gesamten Wellnessbereich zu Beginn sogar komplett für uns. Zwei Dampfbäder, 2 Saunen und 2 Sprudelbäder, wovon eines sogar beheizt im Aussenbereich steht, entspannen unsere Muskeln nach den aktiven Ferien. Es gibt sogar Sirup, Nüsse und Trockenfrüchte zur Selbstbedienung.

Und so enden unsere Wanderferien entspannt, mit strahlenden Augen und Bildern von traumhafter Natur in unseren Köpfen.


KOSTEN CAMPINGPLÄTZE (2 Personen / 1 Büsli)

Hermitage Meran 1N 40

Steiner Bozen 2N 95

Löwenhof Brixen 1N 40

Toblacher See Toblach 2N 87

Alla Baita Misurina 2N 49

Claudia Augusta Meran 1N 43

Ø 20€ p.P. / N


TIPPS

Campingplätze

Die Campingplätze fanden wir vergleichsweise eher teuer mit Preisen von 40-50€ pro Stellplatz. Allerdings reisten wir in der Hochsaison und die Plätze sind meist sehr luxuriös und lustigerweise oft Hotelzugehörig. Wegen der Hochsaison haben wir vorab eine Route geplant und einige Plätze für Reservationen angeschrieben oder am Tag davor angerufen, was immer problemlos ging.

Wildcamping ist grundsätzlich nicht erlaubt. Bei den 3 Zinnen kann man aber oben nächtigen, natürlich ohne Sanitäranlagen (bzw. die öffentliche Toilette öffnet erst so gegen 8:30 Uhr wieder). Auch sonst haben wir gerade im Osten einige Wildcamper gesehen oder Parkplätze, an denen man gegen Gebühr nächtigen darf. Hier hilft sicher auch die App Park4night, um Stellplätze zu finden.


Siesta/Ruhezeit

Bei den Campingplätzen, wie auch in kleineren Dorfläden herrschen oft Ruhezeiten von 12-15 Uhr. Es empfiehlt sich, auf jedem Campingplatz die Einfahrtszeiten abzuchecken, da man um diese Sperrzeiten weder vom, noch in den Camping fahren darf.


Verpflegung

Sehr wichtig beim Wandern, wirklich immer genügend Essen und Trinken einpacken. Das Trinkwasser schien uns überall sauber und wir haben regelmässig unseren 10-Liter Tank an den Wasserhähnen der Campingplätze aufgefüllt.

Wein und Apero-Getränke sind unglaublich günstig. Wir sprechen von 2.50-3 pro Glas.


Sprache

Im Südtirol kommt man problemlos mit Deutsch durch. Auch Englisch ist möglich und natürlich wird hier auch Italienisch gesprochen.


Ratschläge der Einheimischen

Mehrmals waren wir froh, uns direkt bei den Einheimischen erkundigt zu haben, statt ewigs durchs Internet zu scrollen. Die kennen die Gegend am besten und es lohnt sich, ihre Ratschläge, früh aufzustehen, zu beherzigen.


Bio-Diesel

Im Südtirol mussten wir nur einmal volltanken. Auf meinem Tankdeckel ist Bio-Diesel fett durchgestrichen. Auf der Zapfäule steht kleingedruckt: Max. 7% Bio-Diesel Anteil. Anscheinend ist es in Italien keine Seltenheit, dass ein solcher Anteil im Diesel steckt. Google löst den Anfangsschock. Bis 15% würde mein Tank vertragen, jedoch sollte auf Bio-Diesel verzichtet werden. Künftig werde ich darauf definitiv besser acht geben und warne alle Nachahmer ;).


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