Schwyz · Little Weekend Escape


Auf der Heimfahrt von Korsika hat mich das Navi eine wunderschöne Strecke entlang geführt. Von Lugano aus ging es über Flüelen Richtung Kanton Schwyz. Die Abendsonne schien gerade durch die Wolken hindurch und tauchte die Steilklippen am östlichen Arm des Vierwaldstättersees in ein so schönes Licht, dass mir sogar so alleine im Büsli ein "Wauw" entwich. Die Erschöpfung der langen Fahrt schien wie weggeblasen und mit einem riesigen Grinsen schaffte ich auch die letzte Etappe noch sicher nach Hause. An diesen Ort möchte ich zum Campen zurückkehren, das nahm ich mir vor.

Und weil mein Motto diesen Sommer "Einfach machen" ist, habe ich den Vorsatz gleich eine Woche später umgesetzt.


So düsen Philipp und ich mit Wurfzelt bepackt am Samstagnachmittag von Bern aus los in die Zentralschweiz. Nach 4 Anläufen gibt es doch noch einen Campingplatz mit einem freien Fleckchen für unser Auto + Zelt. Der Campingboom macht sich hier bereits vor der Hauptsaison bemerkbar und für eine Nacht werden meist keine Reservationen angenommen. Beim Campingplatz Urmiberg wird uns ein Plätzchen auf der Wiese zugewiesen, die nur durch eine Hecke von der nebenan liegenden Hauptstrasse abgegrenzt wird. Eine unerholsame Nacht ist also schonmal vorprogrammiert ^^'. In wenigen Minuten steht das Zelt und sofort geht es weiter zum ersten Ausflug des Wochenendes.


Klausenpass - Gefährliche Strecke voraus

Ein Studiumskollege von mir hat mir nämlich den Bärglistüber Wasserfall empfohlen. Man erreicht ihn in wenigen Gehminuten von der Hauptstrasse aus. Was wir nicht wussten, um den Wasserfall zu erreichen, erwartet uns eine abenteuerliche Strecke: Der Klausenpass.

Der Pass verbindet den Kanton Uri mit dem Kanton Glarus. Überhaupt haben wir das Gefühl, ein regelrechtes Kantons-hopping zu machen, da hier in der Zentralschweiz ein Kleinkanton an den anderen grenzt. Die Häuser hier oben sind im Winter durchgehend bewohnt. Kaum vorstellbar, wie der Pass schneebedeckt befahrbar sein soll. Schon ohne Schnee nimmt die Strasse die volle Aufmerksamkeit ein, denn sie schlängelt sich gefühlt einspurig steil den Berg hinauf. Zahlreiche Aussichtspunkte laden zum Halten und Staunen ein, denn die Landschaft des Urner Bodens ist unglaublich. Mit spektakulären Gipfeln, die an die Dolomiten oder drei Zinnen des Südtirols erinnern. Wahrhaftig ein "weekend escape" und wir fühlen uns sofort wie im Urlaub.

Warnschild: "Gefährliche Strecke"
Finde das Murmeltier.

Während der Fahrt begegnen uns immer wieder Murmeltiere und es kommt auch mal vor, dass es vor einem staut, da gerade eins der Tiere über die Strasse huscht. Konstant halten wir Ausschau nach "Murmelis" und sehen sogar zwei in eine Schneehöhle huschen.

Beim Bärglistüber Wasserfall wehen uns erfrischende Wassertropfen ins Gesicht. Auf eigene Verantwortung hin könnte man bis hinter den Wasserfall laufen. Da jedoch alles sehr nass und rutschig aussieht, riskieren wir das in unseren Flipflops lieber nicht.


Da sich der Campingplatz nahe des Stadtzentrums von Brunnen befindet, holen wir uns eine Pizza zum Abendessen, bevor es nochmals zum See geht, wo wir uns bei der Ankunft bereits eine Abkühlung gegönnt haben.

Leider behält die Wettervorhersage recht und der Folgetag startet bewölkt ohne Aussicht auf Sonnenschein. Die geplante Wanderung fällt also ins Wasser, wird jedoch in der darauffolgenden Woche sofort nachgeholt.


Der Stairway to heaven der Schweiz

Die Gratwanderung Stoos ist sicher kein Geheimtipp, wie mir bereits eine Freundin gesagt hat. In ihrem Whatsapp-Status habe ich erstmals Fotos der spektakulären Aussicht gesehen und das Ausflugsziel daraufhin auf meine Bucketlist genommen. Steil beginnt es mit der steilsten Standseilbahn der Welt (Schwyz Schlattli-Stoos), die einem im Eiltempo in die autofreie Ferienregion Stoos bringt. Ein kurzer Fussmarsch bringt uns zum Sessellift und damit auf den 1935m hohen Klingenstock.

Klingenstock -> Fronalpstock | 2h | ↑ 402m ↓ 423m

Bereits der Blick nach oben lässt erahnen, dass die Gipfel noch inmitten der Wolken liegen. Plötzlich befinden wir uns in so dichtem Nebel, dass wir nicht mal mehr die Sesselbank vor uns sehen. Ziemlich unheimlich noch mit den maschinellen Geräuschen des Sessellifts im Ohr. Kurz vor dem Ziel durchbrechen wir die Wolkendecke und blauer Himmel tut sich auf. Die Gipfel liegen wie von Watte umhüllt vor uns. Diese Aussicht muss erstmal bei einem Mittagessen gewürdigt werden.

Das Meer in der Schweiz: Ein Wolkenmeer.

Der Bergweg ist mit der Schwierigkeit mittel eingestuft. Die 400 Höhenmeter Auf- & Abstieg scheinen human und so führt die ca. 2-stündige Wanderung immer hoch und runter am Bergkamm entlang. Schwindelfreiheit wird vorausgesetzt, doch der Weg ist so gut ausgebaut, dass es nur selten Stellen gibt, an denen man den Blick besser kurz auf die Füsse richtet. Doch ansonsten gibt es allerlei zu bestaunen. Wir können regelrecht zusehen, wie die Wolken über die Berge ziehen und sich in regelmässigen Abständen fast komplett auflösen, sodass wir genügend Blicke auf den knallblauen See erhaschen. Besonders beeindruckend ist auch die Pflanzenwelt hier oben. Zwar gehören wir beide nicht zu den grössten Blümchenfanatikern doch die Alpenflora hier oben erblüht besonders von Ende Juni bis Juli in so vielen grellen Farben, dass sogar wir einige Blumenfotos knipsen müssen.

Rechts vermischt sich graues Geröll mit grünen Wiesen und erinnert an steppenähnliche Landschaften Zentralasiens.

Der Stairway-to-heaven der Schweiz.

Wenn man sich dann bei der letzten Steigung nochmals von zahlreichen anderen Wanderlustigen überholen lassen hat, erreicht man schliesslich schnaufend den Fronalpstock-Gipfel mit Weitblick auf den interessant geformten Vierwaldstättersee.

Die Bilder sprechen für sich - die Wanderung lohnt sich allemal. Obschon sie ziemlich überlaufen ist, gilt die Gratwanderung Stoos berechtigterweise als Touristenhighlight. Eines, das man sich meiner Meinung nach bei einem Abstecher in die Zentralschweiz aber nicht entgehen lassen soll.