Lanzarote · Start einer neuen Familientradition


Erwischt! Ich bin eine Wiederholungstäterin. Und vielleicht sollte ich etwas aufpassen, wenn ich rauslasse, dass ich jetzt kein zweites Mal an einen Ort zurückreisen werde, da mich neue Orte mehr reizen. Aber was soll ich sagen, in gewisse Gegenden dieser Erde verliebt man sich einfach und manchmal ergibt es sich, dass man diese besonderen Flecken erneut besucht.

So ist es mit mir und Lanzarote. Eine Insel, in die ich mich schon bei meinem ersten Besuch verliebt habe. Mein Schwärmen während meines 3-wöchigen Inselhoppings im 2019, bei dem mich meine Eltern eine Woche lang auf Gran Canaria begleitet haben, förderten unsere kurz darauf gemachten Reisepläne. Mit dem herauswachsen aus dem Kindesalter und den ersten Auszügen aus dem Elternhaus, hat auch das Weihnachtsfest nach und nach an Bedeutung verloren. Für uns alle keineswegs schlimm. Die Bescherung war schon länger nicht mehr so wichtig für uns. Vielmehr geht es doch ums Zusammenkommen und Zeit miteinander verbringen. Anstelle von materiellen Geschenken, möchten meine Eltern mit meiner 1 Jahr jüngeren Schwester und mir eine neue Tradition starten: Ein Inselurlaub jeweils nach der weihnachtlich stressigen Gastronomie- & Verkaufsaushilfe-Zeit, wohlverdient nach der Prüfungsphase. Um die Zeit auszukosten, die seit meinem Kantonswechsel manchmal etwas zu kurz kommt.


Tag 1: Ankunft in Playa Famara, Teguise "La Cantina" Tapas + Vermouth

Urlaub mit den Eltern - da hebt sich der Standard gleich etwas im Vergleich zu meinen eher Budget/Backpack Reisen. Der Vorteil an Wiederholungs-Reisen: Man angelt sich die Stelle als privater Reiseguide. :P

So musste ich nicht lange überlegen und wählte für unsere Unterkunfts-Region erneut die Küste am Playa Famara. Die deluxe Unterkunft im niedlichen Surferort sei meinem Vater verschuldet :P Aber he! Wer sich mit 57 noch zum ersten Mal aufs Surfboard schmeisst, hat sich den Whirlpool mehr als verdient! ;) (Die Tochter war nach den Salzwasser- Waschmaschinengängen aber auch nicht traurig darüber).

Für eine Woche dürfen wir eine scheue Schildkröte unser Haustier nennen. Im schwarzen Kakteengarten mussten wir allerdings lange nach dieser suchen.


Die Fahrt mit dem Mietauto in den Norden der Insel weckt vertraute Gefühle. Das Kribbeln ist nicht dieselbe Aufregung, wie wenn man sich in fremde Gegenden begibt. Vielmehr gleicht es einer Vorfreude auf Bekanntes, das einen bereits beim ersten Besuch so verzaubert hat, dass es überhaupt zur erneuten Reise hierhin geführt hat.

Die traumhafte Aussicht aus der Unterkunft.

Wenn sich so die erloschenen Vulkanhügel vor dem roten Himmel erheben, mit den Silhouetten der Palmen im Vordergrund, dem Salzwasserduft in der Nase und dem Rauschen der Wellen in den Ohren... das pure Inselgefühl und die Freude auf Sommer im Januar.

Dazu noch den Babyschwips des leckeren Vermouth Drinks aus dem La Cantina im Kopf, so lassen sich die Tapas beim Baumeln in der Hängematte doch am besten verdauen.


Tag 2: Mirador del Rio, Cueva de los verdes, Piscinas naturales, Stratified City

Ab heute freue ich mich jeden Morgen darauf, als Gepäck die Kameratasche umzuhängen. Für den Urlaub konnte ich mir eine Sony A7III aus der Technikausleihe meines Studiums borgen und damit nun all die wunderschönen Orte abfotografieren, zu denen ich meine Familie guide.

Als erstes machen wir uns auf in den Norden. Die Route habe ich mit meiner Sightseeing-Map zusammengestellt. Gleich am ersten Tag möchte ich zeigen, wie das Reisen mit mir ist und ihnen unbedingt einige Highlights der Insel präsentieren. Mein Vater übernimmt nebst der Rolle des Fahrers auch gleich den Roadtrip-DJ und so düsen wir gen Norden: Zum Aussichtspunkt Mirador del Rio. Die schöne Fahrt durch Täler mit niedlichen weissen Häusern gefällt auch meiner Mutter, die sich immer ab so hübschen Details freut. Es ist toll zu beobachten, welche Reaktionen die Orte bei meinen Familienmitgliedern hervorrufen und wie sie die Insel, die mir damals so gefallen hat, empfinden.

Als nächstes machen wir uns auf zu einer Touristenattraktion, die auch für mich neu ist. Die Cueva de los verdes. Dabei handelt es sich um eine 7 Kilometer lange Lavaröhre, entstanden durch den Inselvulkan Corona, der vor 3'000 Jahren ausgebrochen ist. Nun, da ich diese Zeilen nachträglich niederschreibe und den Namen des Vulkans erneut höre, scheint er mir wie eine kleine Vorahnung auf alles, was im 2020 noch gekommen ist. Ende Januar war erst ein Hauch des Virus zu spüren, noch kaum jemand hat zu dem Zeitpunkt geahnt, wie sehr uns dieser noch beschäftigen wird. Spanien hat tatsächlich wenige Wochen nach unserer Reise die Grenzen geschlossen. In der Schweiz kam der erste Lockdown. Meine Eltern habe ich erst im Herbst das erste Mal wieder besucht. Umso dankbarer waren wir um diese gemeinsame Woche, in der wir intensiv Zeit miteinander verbracht haben.

Gerade für mich als sehr freiheitsliebende Person hat das Virus mit einer ziemlichen Ohrfeige mal wieder wachgerüttelt und aufgezeigt, wie kostbar Zeit ist. Es kann nicht nur plötzlich zu spät sein, die ganze Welt kann auf einmal in Aufruhr sein und sich langfristig verändern. Und so sehr man dem "wenn nicht jetzt, wann dann" Gefühl nachgehen möchte und sofort die kostbare aber beschränkte Zeit auf Erden nutzen will, so kann auch dies auf einmal nicht mehr möglich sein und wir sind gezwungen, abzuwarten, zu hoffen und dankbar zu sein, gesund zu sein. Ja die wirklich wichtigen Werte im Leben sind wohl allen in dieser unsicheren Zeit klarer geworden.


Vor der Höhle warten wir auf unsere Führung. Mit meinem noch aus Lehrerinnenplänen hängen gebliebenen Wissen, gebe ich einen kleinen Exkurs zur Entstehung solcher Höhlensystemen. Das Lava floss nämlich vom hohen Punkt der Insel aus Richtung Meer. durch den Temperaturunterschied erkaltete es an der Oberfläche und floss darunter in tiefere Schichten, wodurch Lavaröhren entstanden. Seit den 60er Jahren kann man sie besichtigen. In ca. 45 Minuten durchläuft man ca. 1 Kilometer des Höhlensystems mit einem Guide und einer Gruppe und kann die erhärteten Lavawände bestaunen, die durch Lichtinstallationen in Szene gesetzt werden. Hier unten befindet sich auch ein Konzertsaal, in dem tatsächlich Musikveranstaltungen stattfinden.

Das Highlight der Führung: Die Spiegelung im Wasserbecken, das wie ein Loch scheint.

Die Route führt uns ans Meer im östlichen Teil von Lanzarote. Hier befinden sich einige künstlich angelegte Naturpools. Das eher ausgestorbene Städtchen wirkt allerdings nicht besonders einladend und wir machen uns auf den Rückweg.

Dabei darf ein Halt bei den grauen Felsformationen von Stratified City nicht fehlen. Auf einem Blog habe ich dies dazumals als Geheimtipp entdeckt. Auch meine Eltern, die dazumal ihre Hochzeitsreise in den USA gemacht haben und begeistert von den Landschaften Nordamerikas waren, sehen hier gewisse Ähnlichkeiten mit den Canyonlandschaften.


Tag 3: La Geria, Playas de Papagayo

In frischer früh machen wir uns auf ins Landesinnere. La Geria nennt sich das Gebiet im Zentrum der Insel. wo der Weinanbau auf Vulkanboden stattfindet. Das Farbspiel von schwarz und grün, mit den roten Feuerbergen des Nationalparks im Hintergrund begeistert auch meine Eltern und meine Schwester. Hier geniessen wir, verwuschelt vom kanarentypischen starken Wind einen leckeren Kaffee und ein Gipfeli.

Weiter geht es in den Süden, zu den Playas de Papagayo. Die Buchten beherbergen die Traumstrände, die als Postkartenmotiv für Karten aus Lanzarote herhalten müssen. Wir schlendern entlang der Buchten und bestaunen die eher einer Wüste gleichenden Landschaft und das kaum zu beschreibende Blau des Atlantiks.


Tag 4: Markt in Teguise

Das Städtchen Teguise hat es uns angetan. Zwar geniessen wir die Unterkunftslage in Meernähe, doch zum Auswärtsessen zieht es uns meist in einer ca. 20-minütigen Fahrt etwas ins Landesinnere. Im touristischen Ort Teguise befindet sich ein leckeres Restaurant neben dem anderen. Meist geniessen wir Tapas oder die leckeren Vegi-Burger im La Cantina. Heute, am Sonntag ist mal wieder besonders viel los. Der wöchentliche Markt findet statt und wir schlendern durch die sich mit der Zeit in ihrem Angebot wiederholenden Marktstände.


Tag 5: Timanfaya NP, Volcan El Cuervo, Los Hervideros, El Golfo

Den Start der neuen Woche widmen wir dem Inselhighlight überhaupt: Dem Nationalpark Timanfaya. Dem Naturschutzgebiet statten wir erstmal per Fuss einen Besuch ab. Eine gemütliche Wanderung führt um den Vulkankrater El Cuervo. Ein Teil des Abschnitts lässt einen sogar in den Krater hineingehen und die Überreste eines mächtigen Ausbruchs bestaunen.

Rote Erde existiert nicht nur in Australien ;) Nur 4 Flugstunden von zu Hause entfernt...

Heute möchte ich meine Familie mit noch mehr Farbe begeistern. Also fahren wir zur ebenfalls im Nationalpark liegenden Lagune. El Golfo liegt direkt an der Küste und fasziniert durch die auffällige grüne Farbe. Unterirdisch durch Salzwasser gespeist, wird die Farbe durch eine chemische Reaktion mit Plankton hervorgerufen. Nach einer kleinen Pizza Stärkung bestaunen wir noch die mächtigen Wellen beim Los Hervideros, die über die Jahre hinweg eine hufeisenförmige Höhle in die Felswand gefressen hat. Schliesslich als krönender Abschluss des Tages: Die Busfahrt im Timanfaya Nationalpark, bei der einem die Vulkanaktivität der Insel so richtig bewusst wird und spätestens beim Schauspiel der Wasserfontäne, welches durch das Aufheizen im tiefen innern der Erde mit voller Wucht herausschiesst, ehrfürchtig werden lässt.


Tag 6: Surfen

Wir haben es uns so sehr vorgenommen: Surfen in Lanzarote. Die Töchter und der Vater, dem die Frühpension so gut steht, dass er die neu gewonnene Freiheit in vollen Zügen geniesst und sich heute zum ersten Mal an einem der schwierigsten Sportarten weltweit versucht. Es scheint mir wie ein Bucketlist-Punkt, der sich für ihn noch erfüllt =)

Zusammen mit einem Surflehrer, 3 Franzosen und 1 Deutschen wagen wir uns nach ein paar Aufwärmübungen mit den Softboards ins Wasser. Heute ist es besonders windig und auch die Wellen scheinen dadurch mächtiger als sonst zu sein. In guten Abständen brechen jeweils drei von ihnen gleichzeitig. Wir sind aufgefordert, nur die mittleren davon zu nehmen, da weiter hinten die Strömung stärker wird und einen ins Meer hinauszieht. Die meiste Zeit werden wir durchgespült doch einige Male gelingt es uns, auf den Boards zu stehen und das Glücksgefühl zu geniessen, das in diesen wenigen Sekunden anhält und einem den nötigen Motivationsschub für die nächsten anstrengenden Versuche gibt.

Meinen Vater danach so strahlen zu sehen, als wäre er selbst wieder in seinen 20er Jahren war jeden Salzwasserschluck wert. Nur unsere Mutter tut uns leid, die sich in Tücher eingewickelt am Strand vor Wind und Sand zu schützen versucht hat und wohl sehnsüchtig auf das Ende der Surfsession gebangt hat.


Tag 7: Jameos del Agua

Als krönender Abschluss der Reise begeben wir uns erneut in eine Lavahöhle. Bei den Jameos del Agua ist jedoch die natürliche Form etwas in den Hintergrund gerückt, da die Höhle die Kunst des Künstlers César Manrique aus dem Jahr 1966 beherbergt.

Im Restaurant, das in eine Grotte gebaut wurde, essen wir köstliche Tapas, Salate und Tortellini an Rahm-Tomatensauce. Sogar der Weg zur Toilette ist traumhaft, da die Felsen der Höhle bunt ausgeleuchtet sind.

Etwas tiefer liegt ein natürlicher Pool, dessen Wasser eine azurblaue Farbe hat. Weisse mini-Krebse liegen wie Punkte auf den Steinen und wirken wie helle Farbsprenkel im Wasser.

Kunst, die ich nicht so recht verstehe. Da würde man doch lieber drin baden.

Damit endet unser 1-wöchiger Insel-Family Trip nach Lanzarote. Für nächstes Jahr steht La Palma auf dem Plan. Eine Insel der Kanaren, die auch für mich Neuland wäre. Der Gruppenchat bleibt bestehen. Aus dem "2021" wurde leider aufgrund der weltweiten Entwicklungen schnell ein "2022". Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben und ich bin überzeugt, dass wir unsere Pläne auch umsetzen werden. Ich freue mich darauf!


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