Wallis · Ein Gletscher Roadtrip


Meine Büslitour geht in der Schweiz weiter, genauer im Kanton Wallis. Nach dem Südtirol jedoch mit neuer Begleitung. Mit Philipp, dem Masterbrain hinter dem Büsliausbau, ohne den ich das ganze Herzensprojekt mit meinen beiden linken Händen wohl kaum so schnell hingekriegt hätte. Klar also, dass er unbedingt auf einen Trip mitkommen muss und wir nach der handwerklichen Arbeit mal ein paar chillige Vanlife Tage geniessen.

Oder Semi-chillig, denn auch wir haben uns eine eher aktive Route mit einigen Wanderungen herausgesucht.


Blaues Juwel in Kandersteg

Kandersteg im Kanton Bern ist den meisten aus zwei Gründen bekannt: Wegen seiner blauen Seen (Oeschinensee & Blausee) und dem Autoverlad ins Wallis. Aus letzterem Grund startet auch unser Roadtrip hier. Mit meinem Frühaufsteher-Büsli Rhythmus und Philipps Arbeitszeiten Timing sind wir bereits um 8 Uhr in der früh auf der Strasse. Wunderbares Wetter eröffnet unseren Roadtrip. Auf der Fahrt Richtung Kandersteg begeistert nicht nur die schöne Bergkulisse, auch zahlreiche Plakate an den hölzernen Häuserwänden locken mit Bildern der blauen Seen des Berner Oberlands. So kommt es, dass wir uns spontan entscheiden, die Morgensonne auszunutzen und noch einen Abstecher zum Arvenseeli zu machen. Ein kleiner See, den ich schon länger auf meiner Wunschliste habe. Und wer weiss, welche Stürme bereits wieder auf dem Weg Richtung Schweiz sind und unser Roadtrip-programm durcheinander wirbeln werden.


Von der Talstation Sunnbüel aus führt eine Gondel in Schwindelerregender Höhe zur Bergstation (20.- retour, mit Halbtax). Da die Seelein von Schmelzwasser gespiesen werden, führen sie je nach Schneemenge unterschiedlich lange Wasser. Es empfiehlt sich also, sich vor einem Besuch zu erkundigen, ob die Seen überhaupt Wasser enthalten.

Eine gemütliche Wanderung, oder eher ein Spaziergang führt in ca. 1/2 Stunde an Kuhweiden vorbei zu den Seelein.

Inmitten von Tannen (Arven) tauchen schliesslich die Seelein auf. Die Betonung liegt auf der letzten Silbe, denn die eher Teichgrossen Gewässer sind wirklich klein. Besonders das zweite Seeli begeistert mit einem solchen Blau, das einer karibikwürdigen Lagune gleicht.

Während sich der Stundenzeiger langsam gegen Mittag bewegt, steigt auch die Zahl an Besuchern. Sicher merkt man auch die Sommerferien, denn als wir um 12 Uhr die leere Gondel hinunter nehmen, sehen wir schon von oben die Schlange, die bis zum überfüllten Parkplatz hinaus reicht. Da hat sich unser Frühaufstehen also gelohnt.

Die nächste Schlange wartet jedoch vor dem Autoverlad auf uns. Hier haben wir Zeit, ein kleines Mittagessen in der Fahrerkabine zu geniessen und den Campingplatz für den Abend zu sichern.

Bevor es nach Täsch geht, dem letzten befahrenen Ort vor Zermatt, machen wir jedoch einen kleinen Umweg in Richtung Niouc. Im Westen des Wallis wird es gleich französischer. Hier wollten wir nebst der Niouc-Brücke auch die Erdpyramiden von Euseigne besuchen. Da wir jedoch bis 5 Uhr beim Campingplatz einchecken müssen, begrenzen wir unseren Abstecher auf die rote Brücke. Bei dieser sind wir erstmal verwirrt vorbeigefahren, da der Weg, der hinunter führt weniger einer Strasse gleicht und vielmehr einem Spaziergängerweg. Also heisst es zurückfahren, im anliegenden Dorf parkieren und von dort aus an die Leitplanke geschmiegt zur Brücke laufen. Die passähnliche Strasse und die Blicke in die Schlucht sind wirklich schön. Als wir die Abbiegung bei den Fahnenmästen nehmen und zur Brücke laufen wollen, müssen wir erst vorbei an heruntergekommen wirkenden Campingwägen. Irgendwo läuft "Pretty Woman" und der Klassiker untermalt die in die Jahre gekommene Stimmung des Ortes. Die Brücke selbst wirkt zwar toll in ihrem knalligen Rot, allerdings ist sie nur fürs Bungee-Jumping gedacht und gar nicht zur Überquerung. Diese Mutprobe muss ich mir nicht antun und so endet der kleine Abstecher und wir machen uns auf Richtung Zermatt.

Der Campingplatz Alphubel liegt wenige Gehminuten vom Bahnhof entfernt. Idealer Ausgangspunkt also, um sein Fahrzeug stehen zu lassen und ins autofreie Zermatt zu gelangen. Ein Fluss grenzt den Platz vom Bahngleis ab. An die Geräusche des regen Zugverkehrs gewöhnt man sich schnell und wir fühlen uns sehr wohl auf dem Platz mit simplen Sanitäranlagen in Containern.


5 Seen und das Wahrzeichen der Schweiz

In nur etwa einer Viertelstunde erreichen wir die Ferienregion Zermatt (8.- Zug retour, mit Halbtax). Von hier aus fahren wir ab Sunnega durch den Tunnel und anschliessend mit der Gondel hoch zur Bergstation Blauhorn. Hier startet der 5-Seen Weg Zermatt. Zurück geht es dann ohne Gondel nur noch ab der Station Sunnega (22.- für die Bergfahrt, mit Halbtax).

Die berühmte Wanderung führt direkt zum Stellisee, der bekannt ist für die Spiegelung des Matterhorns im Wasser. Am Ende des Sees grenzen einige Felsen das Wasser etwas ab, wodurch die Oberfläche ruhiger ist und tatsächlich eine Spiegelung des Berges erkennbar ist. Wäre er nicht so wolkenverhangen ;). Uns zeigt sich das weltberühmte Matterhorn also mit Wolkensombrero. Wohl keine Seltenheit, da sich die Wolken oft um die Bergspitze auftürmen. Da Zermatt eine bekanntlich teure Ferienregion ist, können wohl die wenigsten tagelang auf eine klare Sicht auf das "Hörnchen" warten, wie wir die fast 4'500 Meter Hohe Spitze gerne nennen. Eine klare Sicht hatte ich bei meiner Schneewanderung vor wenigen Jahren. Heute geniessen wir einfach die 5 Seen und finden uns damit ab, das Matterhorn nicht in voller Pracht ablichten zu können.

Der nächste See ist der längliche Grindjesee, den wir zuerst mit dem dritten See, dem Grüensee verwechseln, da der Name auch zu seiner Farbe passen würde. Bei diesem Wanderabschnitt sollte man unbedingt Ausschau nach Murmeltieren halten, die gerne aus ihren Löchern hervorschauen oder über die Wiese huschen.

Der Grüensee aus der Ferne.

Die gesamte Rundwanderung dauert ca. 2.5 Stunden und führt auf ca. 10km eher bergab. Der einzige Aufstieg wartet am Ende der Route auf einen, wo man zur Sunnega Bergstation hoch muss.

Der Grüensee.
Bei klarem Himmel eigentlich auch mit Matterhornsicht.

Trotz der abwechslungsreichen Seen finden wir, die Wanderung zieht sich etwas und wir freuen uns besonders auf den vierten See, den Mosjesee, oder von uns ernannten Blausee, den wir schon von oben bestaunen konnten.

Die berühmte Route ist stark besucht und auf der Wanderung begegnet man vielen Leuten, besonders auch Familien, für die der Ausflug beliebt scheint. Den letzten See, den Leisee schauen wir uns nur schnell beim vorbeilaufen an, da er direkt unterhalb der Sunnega Station liegt und eher einem Kinder-Erlebnispark dient.

Unser Tagesausflug nach Zermatt endet mit einer köstlichen Nutella-Crêpe und dem klassischen Büsli-chillen & Büsli-Kochsession.


Der grösste Gletscher der Alpen

Ortswechsel nach Fiesch. Auf dem Campingplatz Eggishorn begrüsst uns sogleich eine Eselfamilie inklusive niedlichem grauen Baby. Ein Pfau kreischt mich durch die Gitterstäbe hindurch beim Vorbeilaufen an. Dahinter springt gerade ein Geislein auf eine Stahlkonstruktion und irgendwo spazieren ein paar Hühner durch die Gegend. Die zirkusähnliche Kulisse grenzt den Campingplatz vor der Landewiese für die Gleitschirmflieger ab. Hier gibt es einiges zum Beobachten und auch die Bewohner des Platzes wirken offen und gesprächsfreudig. Das Leben findet draussen statt, genau so wie es beim Campen doch sein soll. Sogar zur späteren Stunde, als es heftig zu regnen beginnt, verziehen sich nur wenige in ihre Wohnmobile und noch lange spielt irgendwo Musik oder es wehen Gesprächsfetzen zu unserem Stellplatz hinüber.

Die Wolken, die den späteren Wetterumschwung ankündigen, hängen aber erstmal noch ums Eggishorn fest. Genau dort, wo wir hin wollen - oje. Übers Handy überprüfen wir die Gipfellage und schauen die Live-Webcam Bilder an, um dann zu entscheiden, die Sicht einfach mal von oben abzuchecken.

In zwei Gondeln (25.- retour, mit Halbtax) erreichen wir schliesslich den Gipfel beim Eggishorn. Was von unten noch so dramatisch aussah, ist hier oben gleich viel freundlicher. Die Wolken hängen genau um den Gletscher herum und lösen sich darüber auf, wodurch wir eine unglaubliche Aussicht auf den grössten Gletscher der Alpen haben: Den Aletschgletscher.

Ein unglaublicher Anblick, der sich in den letzten 50 Jahren schon so dramatisch verändert hat und bis zum Jahr 2050 wohl gar nicht mehr sichtbar sein wird.

Auf zahlreichen Wanderrouten kann man das volle Ausmass des Gletschers bestaunen. Der wohl lohnenswerteste davon ist der Panoramaweg, der in 3 Etappen am Gletscher entlang führt. Zahlreiche Routen lassen sich im Internet finden oder mittels Wanderkarte selbst zusammenstellen. Wir entscheiden uns für die Mini-Wanderung auf den nebenan liegenden Eggishorn-Gipfel. Hierbei werde ich mal wieder daran erinnert, dass ich nicht ganz so schwindelfrei bin. Wie ein Schisshaas wackle ich über den unangenehmen Wanderweg von Geröll und Felsen und zittere bei jedem wackligen Stein gleich noch mehr.

Nichts für schwache Nerven: Das Eggishorn.

Das Eggishorn kann ich für eine umfassende Aussicht auf den Gletscher wirklich empfehlen.


Den Abend lassen wir bei einer Schnellkochaktion ausklingen, die ein Foto wert gewesen wäre. Mit 2 Schirmen bewaffnet versucht Philipp den Wind vom Gaskocher abzuhalten, während ich unser umfassendes Menü, Pad Thai, zu kochen versuche. Mit Nudeln, Gemüse, Tofu und natürlich Limetten und Erdnüssen. Wir hätten uns echt ein einfacheres Menü aussuchen können. Oder eine halbe Stunde warten sollen... Denn gerade als wir stolz mit wohlriechendem Topf ins Büsli verschwinden, hört der Regen auf und die Sonne strahlt provokant ins Büsli. Ein Erlebnis wars allemal und hat zumindest unsere Campingnachbarn zum Schmunzeln gebracht.


Rhonegletscher und vorzeitiger Reiseabbruch

Wenn die letzten 3 Wochen eins gezeigt haben, dann dass es auch bei Regen mit Büsli geht. Genügend Decken einpacken, nasse Füsse in Kauf nehmen, aber die Gemütlichkeit des rollenden zu Hauses machen auch schlechtes Wetter wieder wett. Mal wieder gleicht der Sommer eher Herbstwetter und wir fahren bei Regen und Wolken los auf den Furkapass. Eine wirklich schöne und gut befahrbare Strecke, die wir zur frühen Morgenstunde praktisch für uns haben.

Beim berühmten Fotomotiv, dem Belvedère Hotel liegt der Rhonegletscher, sowie Parkplätze und der Souvenirshop. Für 9.- kann man zum Gletschersee laufen und anschliessend in die Eisgrotten.

Wir erhaschen nur einen kleinen Blick auf den Gletscher und sein Schmelzwasser. Um die Eisschmelze zumindest etwas einzudämmen schützen Blachen den Frost vor Sonneneinstrahlen. Doch auch diese Massnahme beugt kaum dem zunehmenden Gletscherschwund entgegen.

In der Eishöhle lässt uns das kitschige Blau und die dicken Eiswände sprachlos werden. Wir können durch den Gletscher laufen und sind beeindruckt von den frostigen Wänden.

Definitiv ein Abstecher, der sich lohnt! Vom Furkapass aus geht es weiter über den Grimselpass. Von diesem bekommen wir leider nicht viel zu sehen, da das Wetter vom Wechsel vom Wallis in den Berner Kanton gleich nochmals schlechter wird. Beim Mittagessen im Restaurant Handeck beschliessen wir also leicht enttäuscht, den Abstecher zum Gelmersee zu streichen und auf direktem Weg zum Büsli-ausladen nach Zürich zu fahren.


So endet unsere Reise zwar einen Tag früher und schweren Herzens wird mein Camping-Büsli wieder zum Transporter. Dies war voraussichtlich der letzte Van-Trip diesen Jahres, da noch einige Reisen mit ferneren Zielen anstehen. Nach der Überwinterung ist es dann soweit. In 9 Monaten kommt mein Baby - mein Baby auf 4 Rädern :P, mit Berner Nummernschild und eingelöst auf meinen Namen. Für noch viele weitere Roadtrips, meiner liebsten Reiseart =).